Edinburgh (SCO) 
August 2025

Per Auto, Flugzeug und Tram in die Hauptstadt Schottlands...

Um 13:30 Uhr ging unsere Reise heute los. Uns, das bedeutet meine Wenigkeit mit Schwester, Mama und Papa. Stéphi blieb zuhause bzw. reiste zu ihren Eltern und den Hunden um mal wieder mit den Fellknäuel etwas Zeit zu verbringen.

Als Familie schenkten wir letztes Jahr unserem Vater diesen Städtetrip zu seinem runden Geburtstag: Edinburgh (SCO) inkl. Besuch des legendären Military Tattoos.

Nach etwas mehr als zwei Stunden Autofahrt kamen wir am Euro-Airport in Basel (CH) an. Anschliessend folgten die Sicherheitskontrolle und der Zoll und es ging mit der Airbus A320 Maschine in Richtung United Kingdom. 

Knappe zwei Stunden später landeten wir in der Hauptstadt Schottlands: Edinburgh (SCO). Von hier aus gelangten wir per Tram in die Innenstadt, bzw. in den Osten ins Hafenviertel, wo wir unser AirBnB gemietet haben.

Unser Zuhause bis und mit Donnerstag ist rustikal, ein Altbau. Die Zimmer sind klein aber mehr als ausreichend, Bad und Küche sind in den letzten Jahren mal erneuert worden und insgesamt wirkt es sehr liebevoll und "heimelig".

Im Gegensatz zu den Hotels in der Innenstadt bezahlen wir hier einiges weniger und wir wollen ja nicht den ganzen Tag in unserer Wohnung verbringen, sondern was erleben.

Das Wetter bisher:
Stark bewölkt, vereinzelte Nieselregentröpfchen und - für mich - sehr angenehme 18 bis 20°C.

Nach kurzem Einrichten begaben wir uns auf die Suche nach einem Imbiss, einem Restaurant oder - wie es sich für Schottland gehört - einem guten Pub.

Immerhin war es bereits fast 21:00 Uhr (Ortszeit, wir sind eine Stunde hinterher im Gegensatz zur Heimat) und wir hatten alle etwas Hunger.

Wenige Meter neben unserem Appartement wurden wir fündig: ein kleines aber sehr hübsch eingerichtetes Pub. Wir nahmen Platz, genossen das Ambiente und bestellten uns erstmal einen kühlen Pint Bier und etwas zu Essen.

Auf den Klassiker Fish and Chips habe ich heute noch verzichtet - der folgt sicher die Tage noch - und entschied mich stattdessen für einen Lammburger mit Tsaziki und Minze, dazu Süsskartoffelpommes. Wilde Kombi, mag sich der Eine oder Andere denken, aber es war saulecker.

Nach einem weiteren Pint Bier und einer ersten Verkostung eines mir bereits bekannten 15 jährigen Dalwhinnie begaben wir uns so langsam zurück zur Wohnung.

Morgen soll es dann auf eine Hop-On / Hop-Off Tour per Doppeldecker-Bus durch Edinburgh (SCO) gehen. Abends steht dann noch eine ganz besondere Tour auf dem Programm... mehr dazu aber morgen!  😉

11. August 2025 | 23:45 Uhr (Ortszeit)

Sightseeing-Tour Deluxe...

Nach der eher späten Ankunft gestern hatten wir heute den ganzen Tag Zeit die Schottische Hauptstadt so richtig zu erkunden.

Als wir heute morgen nach einem ausgiebigen Frühstück in einem nahegelegenen Café das Tram in die Innenstadt besteigen wollten, wurden wir sofort von einem einheimischen jungen Mann darauf hingewiesen, dass diese aufgrund eines technischen Defekts momentan nicht verkehren. So eine zuvorkommende Hilfsbereitschaft und der direkte Hinweis auf alternative Buslinien hat uns sehr überrascht. Im DACH-Raum wird man in solchen Situationen höchstens doof angeschaut.

Naja, was solls... dann liefen wir die paar Kilometer eben zu Fuss und kamen an unserem ersten Ziel an: Dem Abfahrtsort der "Hop-on / Hop-off" Sightseeing Touren.

Offene Doppeldecker-Busse welche eine Route durch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt fuhren. Mit einem 24h Ticket ist man berechtigt jederzeit ein- und auszusteigen und so lernten wir die verschiedenen Ortsteile der Stadt kennen.

Vom Ausblick aufs Edinburgh Castle - welches wir uns morgen noch genauer anschauen werden - vorbei am National Museum of Scotland, über das Königsschloss in Hollyrood bis hin zum Grassmarket, wo früher die Viehmärkte der Stadt abgehalten wurden und heute sich Pub an Pub reiht, bekamen wir einen guten Überblick dieser geschichtsträchtigen Stadt.

Morgen folgt dann das Highlight: Da geht es nämlich an das "Royal Edinburgh Military Tattoo", welches heuer sein 75. Jubiläum feiert.

In Edinburgh (SCO) finden alljährlich diverse Festivals statt. Im gesamten August finden sich nebst den Besuchern des Edinburgh Tattoo auch Tausende Festivalbesucher des "Fringe-Festivals" ein. Das weltweit grösste Strassenmusiker-Event mit über 3000 Auftritten. Im August verdoppelt sich somit die Einwohnerzahl der zweitgrössten Stadt des Landes und es ist in manchen Bezirken sehr... nennen wir es lebendig.

Am Grass Market reiht sich Pub an Pub, die meisten davon mit eher makaberen Geschichten, wie beispielsweise das "The last drop" - der letzte Tropfen. Hier fanden vor vielen Jahren diverse Hinrichtungen statt und die Angeklagten durften ihren letzten Schluck zu sich nehmen bevor sie gehängt wurden.

Allgemein gibt es in Edinburgh (SCO) kaum eine geführte Tour, die nicht mit Hinrichtungen, Geistern oder Mördern zu tun hat. Makaber? Ja, aber auch sauspannend.

Und so buchten wir auch eine Tour durch die Altstadt. Das ganze wurde von einem ausgewanderten Österreicher kommentiert und dauerte knappe zwei Stunden.

Uns wurden viele Geschichten über Vampire, Kanibalen, Geister, Mörder und - ACHTUNG ganz gefährlich - Feen erzählt. Diese schaurigen aber auch sehr interessanten Erzählungen machten es enorm kurzweilig und wir lernten viel über die Geschichte Edinburghs (SCO).

Beispielsweise war uns bis dahin nicht bekannt, dass selbst die Altstadt bereits auf der noch älteren Alt-Altstadt erbaut wurde. Das erklärt auch, warum manche Gebäude auf der einen Seite 5 Stockwerke haben, auf der anderen Seite deren 14.

Es ist ein stetes auf und ab, Strecken, die heute wie normale Strassen wirken waren vor 300 Jahren noch riesige Brücken, an welche nach und nach immer mehr Gebäude angebaut wurden.

Somit entstand auf dem sonst schon hügeligen Terrain eine vielschichtige Stadt, viele enge Gassen und verdammt hohe Häuser, welche von einer Seite gar nicht so mächtig wirken.

Natürlich durften auch zwei Besuche auf den - wie ich finde - wunderschönen Friedhöfen nicht fehlen.
Wusstet ihr beispielsweise, dass sämtliche Figuren aus den Harry Potter Romanen ihren Ursprung auf einem der ältesten Friedhöfe Schottlands haben? Genau hier in Edinburgh (SCO) entnahm die Autorin J.K.Rowling nämlich den teilweise über 300 Jahre alten Grabsteinen die Namen ihrer Figuren.

11. August 2025 | 23:05 (Ortszeit)

Eine düstere Zeitreise...

Wie wir gestern schon gelernt haben, ist Edinburgh (SCO) eine sehr alte Stadt. Viele verschiedene Schichten wurden über die Jahrhunderte übereinander gebaut und so kommt es, dass man durch teilweise enge und finstere Gassen gehen und an bis zu 20m hohen Fassaden aus Kalkstein, Sandstein oder Natursteinmauern emporschauen kann.

Edinburgh (SCO) wurde auf sieben erloschenen Vulkanen erbaut. Dazwischen lagen früher Seen, Sümpfe und Moore. Eines der bekanntesten von ihnen, das "Nor Loch" lag da wo sich heute der Princes Street Garden befindet.

Hier herrscht seit Jahrhunderten ein Bauverbot um den Blick auf das alles überragende Edinburgh Castle nicht zu verdecken. Um den Platz nicht ungenutzt zu lassen findet man hier heute eine riesige Parkanlage mit saftigen grünen Wiesen, bunten Blumen und hübschen Bäumen.

Das Moor auf welchem diese Gärten aufgebaut wurden ist gut gedüngt, diente es nämlich im Mittelalter als Abfalldeponie und galt als Ort an dem man Leichen unauffällig verstecken konnte.

Zur Zeit der Hexenverbrennung wurden in diesem Sumpf diverse Frauen auf Hexerei geprüft. Die weitverbreitete Methode lief wie folgt ab: Man band den vermeintlichen Hexen Arme und Beine zusammen, warf sie ins Wasser und wartete. Schwamm die Frau oben auf, war es zweifelsohne eine Hexe - in einem dickflüssigen Sumpf war das eine relativ hohe Quote - die Frau wurde aus dem Wasser gezogen und bei lebendigem Leibe verbrannt. Andererseits, falls der gefesselte Körper im Sumpf unterging, ertranken die Frauen. Sie waren zwar somit keine Hexen, starben aber trotzdem. Eine absolute "Lose - Lose" Situation.

King James VI von Schottland - der später zusätzlich zu King James I von England wurde - schrieb ein Buch, wie man Hexen erkennen kann und wie man sie bekämpft. Zu den bedeutendsten Merkmalen zählten Muttermale und rote Haare... Wo gibt es statistisch gesehen am meisten rothaarige Frauen? Richtig in Irland und Schottland. Hier "lohnte" sich die Hexenverfolgung also so richtig.

Angefangen hat König James VI mit der Hexenverfolgung, als er seine Braut Anna von Dänemark in ihrer Heimat abholen wollte und auf dem Rückweg seine halbe Flotte durch einen Wirbelsturm Schiffbruch erlitt.

Schuld an dem Wirbelsturm soll Agnes Sampson gewesen sein, die eines Nachts am Strand eine tote Katze sieben mal über ihrem Kopf gewirbelt und anschliessend ins Meer geworfen haben soll. Die Frau wurde verhört und gefoltert und gab es schliesslich nach Tagen der Qualen zu. Sie wurde als erste Hexe in Edinburgh verbrannt.

Man mag über diese Theorien des Mittelalters den Kopf schütteln. Liest man aber manche heutigen Verschwörungstheorien muss man wohl eingestehen, dagegen klingt das mit der "Wirbelsturmkatze" beinahe plausibel.

Eine weitere Geschichte handelt von den Grabräubern. Edinburgh (SCO) galt als weltweit führend in der Medizin. Die Akademie erhielt die Leichen der Hinrichtungen zum Sezieren und Studieren. Als man aber immer mehr Leichen benötigte wurden diese durch die Professoren auch heimlich eingekauft.

Zwielichtige Gestalten begannen auf den Friedhöfen frische Leichen auszugraben und diese an die Medizinische Anstalt zu verkaufen. Dabei machte sich niemand strafbar, die Leichen gehörten neimandem mehr und solange man den beigelegten Schmuck nicht entwendete beging man keinen Diebstahl.

Als eines Nachts eine reiche Dame ausgebuddelt wurde, welche sehr viel wertvollen Schmuck an sich trug wurden die Räuber gierig und begannen ihre Finger abzutrennen um die Ringe zu stehlen. Beim dritten Finger fing die Dame plötzlich an zu schreien - sie war fälschlicherweise als tot erklärt worden - und Leute wurden auf die Grabräuber aufmerksam.

Den beiden wurde der Prozess gemacht und man fing an sich zu fragen, wie kann es sein, dass die Frau noch gelebt hat? Als man begann diverse Tote wieder auszugraben und die Särge zu öffnen stellte man bei über 5% innen am Holz Kratzspuren fest.

Damals war es keine Seltenheit, dass man bei lebendigem Leibe vergraben wurde, da die Methoden um den Tod festzustellen schlicht und ergreifen sehr unsicher waren.

Man fing daraufhin an, dass man den Toten eine Schnur ums Handgelenk band, welches über der Erde an einer Glocke angebunden wurde. Somit konnte die vermeintliche Leiche beim aufwachen um Hilfe läuten und wurde von den Friedhofwächtern wieder ausgegraben.

Im Englischen heisst die Nachtschicht "Graveyard Shift", wörtlich übersetzt Friedhofsschicht. Jetzt wissen wir auch, woher dieser Ausdruck stammt.

Zum heutigen Frühstücksbericht mit Haggis und Blood Pudding kommt ihr beim Button unten.

12. August 2025 | 12:15 Uhr (Ortszeit)

Zu Besuch in der Königsresidenz...

Eigentlich wollten wir heute Edinburgh Castle besichtigen. Was wir unvorteilhafterweise nicht vorher überprüft haben: Tickets sind bis und mit nächsten Dienstag ausverkauft. 

Da momentan sowieso die gesamte Stadt mit Touristen, Tattoo-Besucher und vor allem Festival-Besucherüberflutet ist, haben wir diesen Plan schnell verworfen und machten uns stattdessen auf den Weg nach Holyrood. 

Dieser östlich vom Zentrum gelegene Stadtteil ist nicht zu verwechseln mit Hollywood, dem weltberühmten Stadtteil in Los Angeles (USA).

Nichtsdestotrotz beherbergt dieser hier in Edinburgh (SCO) eine uralte verfallene Abtei und die direkt daran angebaute Königsresidenz.

Hier hausten in den letzten Jahrhunderten namhafte Monarchen und selbst heute wird dieses Gebäude noch für Zeremonien genutzt. Beispielsweise wurde hier der Körper der 2022 verstorbenen Königin Elisabeth II bis zu ihrer Beerdigung aufgebahrt.

Mit einem Audioguide bewaffnet schritten wir die königlichen Gemächer, Speisesääle, Kunstgalerien und schlussendlich die Ruine der Abtei und die gepflegten Gärten des Anwesens ab. Von diesen aus, hat man auch einen herrlichen Blick auf Arthurs Seat, den Hausberg von Edinburgh (SCO).

Nachdem wir die Residenz ausgiebig ausgekundschaftet haben begaben wir uns wieder auf den Rückweg in Richtung Altstadt.

In einem Pub mit dem höchst kreativen Namen "Whiski" assen wir zu Abend - bei mir gab es selbstverständlich endlich das traditionelle Fish n' Chips - und bestaunten die Rückwand der Theke.

Über 250 verschieden Whiskey gäbe es hier zu verkosten. Ein absolut verführerischer Anblick für jeden, der diesen Kostbaren Tropfen schätzt!

Anschliessend ging es nochmal durch die legendäre Vicotria Street an den Grassmarket. Mit ihren bunten Häusern und den zwei Schichten ist sie eines der beliebtesten Foto-Sujets der Stadt.

Danach ging es zu unserem Highlight der gesamten Reise: Das Royal Edinburgh Military Tattoo. Die Organisatoren haben sich zu ihrem 75 Jahre Jubiläum nicht lumpen lassen.

Teilweise hunderte Dudelsäcke, das "Drill-Team" der US-Army und natürlich der Rekordhalter was Auftritte am Tattoo in Edinburgh angeht: Das "Top-Secret Drum-Corps" aus Basel (CH).

Ein zweistündiger Mix aus Disziplin, Musik und Tanz der Extraklasse! Bilder und Text gibt es zu einem späteren Zeitpunkt... es ist spät... ich bin müde!

13 August 2025 | 01:25 Uhr (Ortszeit) 

Tagesausflug nach Stirling (SCO)

Gestern begaben wir uns per Zug nach Stirling (SCO). Da wir das Edinburgh Castle nicht besichtigen könnten stiegen wir am Vormittag in ein Fahrzeug von ScotRail und nahmen die rund 50 Minuten Fahrt in Anspruch, welche uns in eine der im Mittelalter bedeutendsten Orte Schottlands.

Stirling (SCO) ist ziemlich genau so alt wie Edinburgh (SCO) nämlich um die 900 Jahre und wenn man durch die Gassen dieses massiv kleineren und dadurch ruhigeren Städtchen schreitet hat man das Gefühl die Zeit ist stehen geblieben.

Die Burg und die Kirche sind eindrücklich und äussert interessant zu erkunden. Der uralte Friedhof dazwischen wirkt wild, unregelmässig und man findet teilweise Grabsteine aus dem 18. Jahrhundert.

Von der Burg aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf Stirling und das Umland. Selbst das einige Kilometer auf einem Hügel erbaute William Wallace Monument ist von hier aus zu sehen.

William Wallace, Schottlands Nationalheld, war welcher im ersten Unabhängigkeitskrieg gegen England eine tragende Rolle spielte. 

Wer den Film "Braveheart" aus de Jahr 1995 mit Mel Gibson in der Hauptrolle noch nicht gesehen hat... bitte nachholen. Der Film handelt eben von genau diesem William Wallace und dem Kampf um die Unabhängigkeit der Schotten.

Der Film ist zwar nicht zu 100% historisch korrekt, dennoch aber - gerade mit der genialen Filmmusik - ein absolutes muss. 

Die Titelmelodie wurde übrigens auch am Tattoo hier gespielt - ja der Eintrag folgt auch noch. Wer bei der Melodie im Herzen Schottlands, gespielt von hunderten von Dudelsäcken und Trommeln mit Sicht auf das Edinburgh Castle keine Gänsehaut kriegt... mit dem stimmt was nicht!

Auf dem Bild rechts blicken wir von Stirling Castle über den neueren Teil des Friedhofs zum "William Wallace Monument", ein riesengrosser Turm auf einer Anhöhe.

Vor einigen Jahren, als ich Schottland bereits einmal bereist habe, stand ich da bereits oben drauf... der Ausblick ist umwerfend! 

Wallace übrigens wurde im Alter von gerade einmal 35 Jahren in England auf brutalste Art und Weise hingerichtet. Die Engländer erhofften sich, die Schotten zu brechen, in dem Sie Wallace hinrichteten, vierteilten, zerstückelten. Die Leichenteile wurden im ganzen Königreich als Warnung aufgehängt.

Die Schotten unter Robert the Bruce liessen sich davon nur wenig beeindrucken und dachten gar nicht ans Aufgeben.

Allerdings ist Schottland auch heute - rund 700 Jahre später - immer noch ein Teil des United Kingdom und des Commonwealth und wurde somit nie komplett Unabhängig. Zuletzt stimmten die Schotten 2014 mit einer grossen Mehrheit "nein" zur Unabhängigkeit. Ob das ihrem Nationalhelden William Wallace so passen würde sei dahingestellt. 

Übrigens erteilte die Britische Regierung nach dem Brexit den Befehl, sämtliche EU-Flaggen einzuziehen. In Schottland wehen diese nach wie vor überall im Wind. Die Schotten stimmten nämlich mit über 70% gegen den Brexit, also den Austritt aus der EU.

Um einen der Einheimischen in Edinburgh (SCO) zu zitieren: "Das kommt davon, wenn man in einem Land lebt, welches halb so viele Einwohner hat wie London, das Mitspracherecht ist gelinde gesagt etwas eingeschränkt."

Schottland gehört also zu Grossbritannien, einer Meinung sind sich die Schotten und die Briten aber definitiv nicht in allen Dingen.

Zum Abschluss machten wir gestern noch einen letzten Spaziergang in einem etwas ruhigeren Viertel Edinburghs (SCO).

Den Abend liessen wir bei kühlem Bier, toller Live-Musik und fröhlicher Stimmung in einem der wunderbar und liebevoll gestalteten Pubs ausklingen und bald geht es wieder zurück nach Hause.

14. August 2025 | 11:40 Uhr (Ortszeit)

Was eine Show...

Am Dienstag Abend, dem 12. August hatten wir unser Highlight vor uns: Das Royal Edinburgh Military Tattoo.

Diese Veranstaltung findet jedes Jahr im August in Edinburgh (SCO) statt. Ursprünglich - im Jahr 1950 gegründet - war das Tattoo (engl. Zapfenstreich) ausschliesslich Militärischen Formationen der britischen Streitkräfte vorenthalten. Nach wie vor bilden diese den Hauptteil der Auftritte.

Die ganze Show dauert zwischen eineinhalb und zwei Stunden und beinhaltet traditionell drei schottische Stammformationen:

Die Massed Pipes and Drums, eine eigens für das Military Tattoo zusammengestellte Truppe aus verschiedenen Militärkapellen, bestehend aus rund 200 Dudelsackspielern und Trommlern.

Die Highland Spring Dancers, eine Gruppe aus etwa 80 Tänzerinnen, welche zu traditioneller schottischer Musik tanzen.

Der Lone Piper, ein einzelner Dudelsackspieler, welcher auf dem im Hintergrund der Arena aufragenden Edinburgh Castle zwischen zwei Zinnen zum Gedenken an die Gefallenen Soldaten der British Army spielt.

Zum 75. jährigen Jubiläum wurden dieses Jahr Formationen aus der Ukraine, Polen, den USA und der Schweiz eingeladen.

Zwei der diesjährigen Gäste werde ich ein bisschen näher beleuchten:

Angefangen mit dem Top Secret Drum Corps, einer Schweizer Tambourengruppe, bestehend aus 25 Trommlern und einer Fahnengarde. Gegründet im Jahr 1991 in Basel, taten sich einige Jungtambouren zusammen und entwickelten sich bis heute zu einer der besten Trommlergruppen weltweit.

Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk und unterhaltsam wie ein Blockbuster Kinofilm. Schnelle Trommlerrhythmen, akrobatische Fahnenwürfe und spektakuläre Licht und Pyros-Effekte... und das ganz ohne militärischen Drill. 

Top Secret ist nämlich einer der einzigen Formationen die am Tattoo auftreten dürfen, welche keinen militärischen Ursprung hat.

Naja, ich war mit vier Mitgliedern davon in der Militärspiel-RS, aber das tut nicht viel zur Sache! 

Welches Land gibt jährlich am meisten für seine Armee aus? Richtig, die USA! Im Jahr 2024 waren es annähernd 1000 Milliarden (!) Dollar.

Zugegeben, vermutlich ein minimaler Bruchteil davon fliesst - leider - in die Militärmusik und erstaunlicherweise hat der Auftritt der Amis am Tattoo kaum was klangvolles an sich.

Das  United States Army Drill Team besteht aus 19 Mitgliedern und gehört offiziell zur Headquarters Company, 4. Bataillon, 3. US-Infantry Regiment.

Mit einem M1903 Springfield Gewehr marschiert, hantiert und jongliert diese beeindruckende Eliteeinheit. Auf die Millisekunde präzis synchron.

Wenn man diesen Soldaten zusieht merkt man sofort, da steckt mehr als ein, zwei Trainings dahinter und der Name "Drill"-Team erweckt doch den Eindruck, dass hier nur wenige Fehler vergeben werden.

Zum Schluss versammeln sich immer alle Musikanten in der Arena und spielen gemeinsam den Abschluss. Fast 1000 Instrumentalisten, Tänzerinnen und Sängerinnen... das macht wahrlich Eindruck!

Mein persönliches Highlight: Die Titelmelodie Braveheart aus dem gleichnamigen bereits thematisierten Film, gespielt von insgesamt über 300 Schotten, begleitet von den Tänzerinnen der Highlands, das war einfach nur Gänsehaut pur!

Dazu das wundervoll beleuchtete Schloss im Hintergrund und ein zu grossen Teilen aus Leuten aus dem United Kingdom bestehenden Publikum, welche solche Darbietungen mit absolutem Respekt und Ruhe geniesst. Kein Gequatsche, kein Gelächter, dafür umso warmherzigerer Applaus zwischen den einzelnen Acts.

16. August 2025 | 23:55 Uhr