Schweden
Das Land in dem wir die meiste Zeit verbrachten, nämlich rund 10 Nächte war Schweden.
Ein unendlich vielseitiger und wunderschöner Staat in Skandinavien.
Durch karge Landstriche, dichte Wälder, saftige Grünflächen und wunderschöne Küstenstriche war unser nächstes Ziel...
Eis, Eisen und Süssigkeiten...
Nach Italien (Platz 10 | 301.340 km²), Polen (Platz 9 | 312.696 km²), Finnland (Platz 7 | 338.455 km²) und Norwegen (Platz 8 | 323.802 km²) nun also Schweden, mit 450.295 km² auf Platz 5 der flächenmässig grössten europäischen Länder.
Nach einem aufregenden Morgen im Museum in Narvik (N) - siehe Beitrag von vor ca. 3h unten - haben wir am Zollamt Björnsfell (S) die Grenze passiert und sind nun in der Nähe von Kiruna (S) angekommen.
Direkt nach dem Grenzübergang sahen wir auf das Wintersportgebiet Riksgränsen (übersetzt Landesgrenze / Reichsgrenze... sehr kreativ) und fuhren weiter talwärts in Richtung Osten.
Natürlich durfte auch die tägliche und fast schon zur Gewohnheit gewordene Rentiersichtung nicht fehlen, so haben wir das für Schweden schon mal abgehakt.
Nach einem kurzen Spaziergang - die kennzeichnen ihre Wanderwege hier mit witzigen roten um 90° gedrehten Andreaskreuzchen - lassen wir nun den Abend ausklingen und morgen geht's weiter, zurück an den Botmischen Meeresbusen. Den kennen wir ja bereits von der finnischen Seite.
Apropos 90°. Hier ist es gleich wieder eine ordentliche Schippe kühler. Der hier nicht mehr vorhandene Golfstrom - der natürlich nicht über die Skanden drüber klettert - ist definitiv spürbar!
Vorbei am Vassijaure, am Låktajaure und schlussendlich eine halbe Ewigkeit den Ufern des Torneträsk entlang. Der letzte der genannten Seen ist mit 330 km² ungefähr dreimal so gross wie der Schweizer Vierwaldstättersee. Von Dezember bis Mitte Juni ist er komplett von Schnee und Eis bedeckt und das ergibt schon ein verdammt eindrückliches Bild!
Parallel zur E10 verläuft die Erzbahn, deren gesamte Strecke sich von Luleå (S) im Osten des Landes in Richtung Nordwesten bis nach Narvik (N), dessen Hafen ganzjährlich eisfrei ist, erstreckt. Übrigens der Bahnhof in Narvik (N) ist der nördlichste im Personenverkehr erreichbare Regelspurbahnhof Europas.
Die Erzbahn durchquert die Eisenerz-Abbaugebiete Gällivare (S) und Kiruna (S). Alleine das Eisenerzbergwerk Kiruna fördert jährlich 33 Millionen Tonnen Roherz und ist somit das grösste seiner Art weltweit. In den letzten 125 Jahren hat man sich hier bisher 1365m in die Tiefe gegraben!
Da wir noch ein paar Kleinigkeiten benötigten, machten wir unterwegs einen halt an einem kleinen Supermarkt und waren komplett baff...
Mindestens, und da übertreibe ich keineswegs und wiederhole es gerne nochmal: MINDESTENS der halbe Laden bestand aus Süssigkeiten. Fruchtgummis, Schokolade, Kekse... daneben Chips, Snacks, Popcorn in unmenschlich grossen Tüten.
Da erschien das eine Kühlregal mit den drei, vier verschiedenen Fleischpäckchen und den paar Joghurts daneben wie ein Witz. Na gut Früchte hatten sie auch noch ein paar und eine wahnwitzige Anzahl an Tiefkühltruhen.
Getränke gibt es übrigens entweder Bier, Cola oder wiederum eine riesengrosse Auswahl an gesüsstem Kram jeglicher Art und Weise.
Das Klischee der Schweden ist doch gross, blond, sportlich-schlank... also entweder, das Zeug ist alles nur Deko oder die haben einen Stoffwechsel, dass es nur so kracht!
Naja, wir haben auf jeden Fall halbwegs das gefunden, was wir brauchten und bestaunten dann noch ein wenig die Auslage...
In den nächsten Tagen gibt es dann mal wieder einen kurzen Foodblog von heute Abend und einer Schwedischen "Spezialität", die ich so auch noch nicht gesehen habe. Heute aber nicht mehr, ich hab genug geschrieben für einen Tag!
Verpasst auch nicht den Beitrag unterhalb der Bilder, ebenfalls von heute, vom Norwegischen Teil des Tages! 😉
22. Mai 2025 | 20:20 Uhr
Tschüss Polarkreis...
Auf dem Weg durch Schweden in Richtung Südosten fühlten wir uns heute wieder wie eine Woche zurückversetzt, als wir kilometerlange Strecken durch die schier nicht enden wollenden Wälder Finnlands zurücklegten...
...mit zwei Unterschieden: Hier sind die Wälder grüner, üppiger, es gibt mehr Fichten und Kiefern, weniger Birken und sehr viel weniger Schnee. Im Allgemeinen wirkt alles etwas freundlicher und hübscher, bis auf - und das ist Unterschied Nummer 2 - die Strassengräben.
Während diese in allen bisher besuchten Ländern komplett aufgeräumt waren, kann der "Vorzeigestaat" Schweden in Sachen Sauberkeit und Umweltfreundlichkeit hier leider nur wenig Punkte sammeln. Von leeren Plastiktüten, über Aludosen, diversen Autoteilen und sonstigem Müll. Sogar die überfahrenen Rentierkadaver werden einfach in den Graben geschmissen und sich selbst und den Schmeissfliegen überlassen... eine ziemliche Enttäuschung für uns.
Ein kleiner Trost: Heute haben wir die erste wild lebende skandinavische Elchkuh gesichtet. Die erste sahen wir ja bereits in Polen, wo ich es eher weniger erwartet hätte. Fotografieren konnten wir sie leider auch heute nicht.
Nichtsdestotrotz, die Landschaft ist schön... sehr schön und sehr weitläufig. Auch in Schweden sind fast 70% der Landesfläche bewaldet, rund 28 Millionen Hektar. Wiederum der Vergleich zur Heimat: Fast 7x die Fläche der Schweiz.
Nach ungefähr einer Woche Abstinenz vom Botnischen Meeresbusen sind wir also zurück, diesmal aber auf der anderen Seite.
Nach der Überfahrt des Polarkreises vor ungefähr 85km ist nun hier das Klima auch endlich wieder etwas freundlicher.
Ich sitze gerade auf der Holzterrasse, welche zu unserem Stellplatz dazugehört - was übrigens richtig cool ist! - und geniesse die angenehmen 16°C und nur wenig Wind. Dazu eine wohltuende Sonne und damit mir nicht all zu warm wird gibt es zur Erfrischung ein leckeres norwegisches Arctic Beer.
Endlich kann ich heute Abend mal wieder den Gasgrill anschmeissen, ohne dass ich bereits beim Anzünden so meine Probleme habe mit dem Wind und der Kälte!
Mir wurde gestern noch von einer Freundin, die sich dank ihrem Studium ziemlich gut mit Skandinavien auskennt gesagt, dass diese immensen Auslagen an Süsskram eigentlich nur für eines gedacht sind:
Lördagsgudis!
Übersetzt bedeutet das so viel wie Samstagssüssigkeiten und soll eine schwedische Tradition sein, bei welcher Kinder und auch Erwachsene am Samstag Süssigkeiten essen, um sich am Wochenende etwas Besonderes zu gönnen.
Wir haben heute mal so einen Mischeimer gekauft und uns ein wenig durchprobiert...
...ich sag mal so, ich kaufe nächstes mal doch lieber die sauren Glühwürmchen von Trolli oder stinknormale Haribos.
Von Fruchtgummis geformt zu einem Rennauto mit Seifengeschmack (wahrscheinlich inspiriert durch die Seifenkistenrennen höhö), über eine Art zweifarbige Gummiringe, wobei die eine Farbe nach abgestandenem Bier und die andere nach "Hilfe ist das Sauer" schmeckt, - im Abgang wird es dazu noch ziemlich scharf und pikant - bis hin zu Lakritz, was sowieso niemand mit gesundem Menschenverstand mögen kann - ausser man isst auch kleine Kinder oder wahlweise Marzipan - war alles dabei!
Spannend, aber nein danke... vielleicht lag es auch daran, dass heute erst fredag und noch nicht lördag ist.
23. Mai. 2025 | 15:45 Uhr
Eine schwedische Zeitreise vergangenen 650 Jahren.
Natürlich darf auch ein Einblick in die Geschichte Schwedens nicht fehlen. Hier mache ich es chronologisch ein wenig verdreht und wir belichten erst die Jahre seit der Gründung des skandinavischen Reichsverbundes (1397), der Kalmarer Union unter Margarethe I. von Dänemark bis zum heutigen König Carl XVI Gustaf Folke Hubertus, der mit seiner bis heute fast 52 Jahre andauernden Regentschaft am längsten regierende König von Schweden.
Alles was vorher geschah geht nämlich wieder auf das Wikingerzeitalter zurück, welches wir uns zu einem späteren Zeitpunkt auch noch anschauen werden.
Die weniger Geschichtsinteressierten finden im untersten Abschnitt noch einen kleinen Einblick von unserem heutigen Tag. 😌
Zugegeben je länger und genauer ich die Geschichte dieser wohl sehr durchsetzungsstarken Dame aus Dänemark lese, umso schwieriger wird das, einigermassen kurz und verständlich zusammenzufassen.
Also einmal im Schnelldurchlauf:
Margarethe I. von Dänemark und ihr Ehemann König Håkon VI. von Norwegen hatten einen einzigen Sohn: Olav. Als Margarethes Vater König Waldemar IV. von Dänemark 1375 unerwartet stirbt, tut Margarethe alles, dass ihr Sohn - der eigentlich nicht direkter Thronfolger ist - die Königswürde erben kann und dies gelingt.
Da der kleine Olav aber noch Minderjährig ist, übernimmt sie de facto die Regentschaft über Dänemark und Ihr Mann bleibt in Norwegen. Als auch dieser stirbt und Olav immer noch nicht mündig ist, übernimmt sie auch die Regentschaft in Norwegen.
Als dann auch noch Olaf das zeitliche segnet und sie wieder einen neuen männlichen minderjährigen Thronfolger braucht - Frauen war es zu der Zeit noch nicht gestattet den Titel Königin zu tragen - adoptiert sie kurzerhand ihren Grossneffen Bogislaw, den ältesten Sohn ihrer Nichte Maria und des Herzogs Wartislaw VII von Pommern und setzt ihn in Norwegen und Dänemark als Nachfolger ihres Sohnes Olav ein. Bogislaw nimmt den nordischen Namen Erik an und so kann Margarethe Dänemark und Norwegen weiter regieren und gewinnt auch in Schweden immer mehr Sympathisanten. Der dortige Albrecht III. König von Schweden und Herzog zu Mecklenburg ist nämlich sehr unbeliebt.
Bereits 1389 wird Margarethe als Regentin Schwedens akzeptiert und ihr Großneffe und Adoptivsohn Erik wird zum norwegischen Erbkönig bestimmt. 1396 folgt in Dänemark und Schweden seine Huldigung als König.
In Kalmar (S) wird am 17. Juni 1397 die Salbung und Krönung zum König von Erik durch den dänischen und schwedischen Erzbischof durchgeführt, dies ist die Geburtsstunde der Kalmarer Union zwischen Norwegen, Schweden und Dänemark.
Dieser Bund der drei skandinavischen Länder unter dänischen Unionskönigen bleibt bis zum Aufstand des späteren König Gustav I. Wasa von Schweden 1523 bestehen.
...und ja das war der Schnelldurchlauf, aber ich wollte diese doch sehr beeindruckende Frau - auch wenn sie keine Schwedin war - etwas genauer betrachten.
Weil Schweden seit der Gründung der Union schon immer daraufhin arbeitete, im Ostseeraum die Vorherrschaft zu erlangen, ergaben sich nach dem Bruch ab den 1560er Jahren diverse Kriege und Auseinandersetzungen mit Dänemark, Polen-Litauen und dem Zarentum Russland.
Nach diversen Siegen und Eroberungen von Teilen Dänemarks und verschiedenen Provinzen im Baltikum und Regionen in Norddeutschland wurde Schweden zu einer der führenden Grossmächte.
Da dem Land aber die Wirtschaftskraft fehlte, um diese Stellung dauerhaft zu behalten, verlor es über die Jahre immer mehr an Staatsgebiet, unter anderem ganz Finnland an Russland während den Napoleonischen Kriegen.
1814 zwang Schweden Norwegen zu einer Union, welche trotz vieler innerer Konflikte 91 Jahre lang anhielt.
Seit 1814 hat Schweden an keiner militärischen Auseinandersetzung mehr teilgenommen. Seit dem ersten Weltkrieg (1914-1918) wird eine aussenpolitische Linie verfolgt, im Frieden allianzfrei und im Krieg neutral zu bleiben... wobei die Schweden im ersten Weltkrieg die Deutschen doch finanziell und mit wichtigen Erzlieferungen noch mächtig unterstützt haben.
Seit 1920 gehört Schweden zum Völkerbund, seit 1946 zu den vereinten Nationen (UN) und ist seit 1995 auch Teil der Europäischen Union (EU).
Die obigen Bilder sind übrigens alle von unserem Stellplatz heute in der Nähe von Skellefteå (S), einer Stadt mit rund 35'000 Einwohner.
Hier angekommen haben wir uns erstmal für einen ausgiebigen Spaziergang entschieden und fanden dann am Strassenrand irgendwann ein schmales Weglein, welches in den Wald hineinführte.
So ein toller Wald habe ich seit langem nicht gesehen und das Ende war wortwörtlich der Gipfel. Der Weg endete an einem steinigen Aussichtspunkt, wo wir einen tollen Überblick über das angrenzende Meer erhielten.
Zum Abendbrot gibts heute den zweiten Pizzaback-Versuch auf dem Campinggrill mit einigen Verbesserungen zum letzten mal, so, dass der Boden heute hoffentlich knusprig aber nicht schwarz wird. 😉
24. Mai 2025 | 17:40 Uhr
Unterwegs im Weltnaturerbe...
Höga Kusten - zu Deutsch: hohe Küste - ein Küstengebiet im Osten Schwedens ist vor allem für eines Bekannt: Postglaziale Landhebung. Der Begriff wird den Wenigsten etwas sagen, daher eine kurze Erläuterung:
Während der letzten Eiszeit waren weite Teile der Erde mit Eis bedeckt. Die Dicke dieser Eisschicht betrug hier über 3km (!). Durch das Gewicht, dieser immensen Eismassen wurde die Landschaft quasi komprimiert und entfaltete sich nach dem Abschmelzen wieder.
Bis heute hob sich hier die Landmasse um rund 285m. Selbst heute hebt sich das Land immer noch jährlich um rund 8mm. Man geht davon aus, dass bis in 2'500 Jahren hier eine Landbrücke entsteht, welche es ermöglichen wird, Finnland auf dem Landweg zu erreichen.
Leider werden wir das wohl alle nicht mehr erleben. Trotzdem ist es in geologischer Hinsicht nur ein Wimpernschlag!
Trotzdem ist es hier einfach wunderschön und die Landschaft im Landesinneren weckt gewisse Heimatgefühle.
Stéphi und ich sprechen schon seit dem Nordkap (N) davon, mal an einem Ort zwei Nächte zu verbringen, da wir ja am Tag vor dem Nordkap quasi einen Stellplatz übersprungen haben.
Schaut euch das Bild an, wenn nicht hier, wo dann?
Es ist kein Mensch hier, einchecken und bezahlen wird per Automat erledigt. Es gibt zwei super eingerichtete Servicehäuser mit gratis Waschmaschine, gratis Trockner, gratis Dusche. Diverse Feuerstellen lassen mein Herz höher schlagen und die Aussicht ist einfach traumhaft.
Bei ein wenig Wind und strahlendem Sonnenschein können wir es hier so richtig geniessen... jetzt wo ich das schreibe schaue ich raus und sehe Nebel und Wolken. Das Wetter schlägt hier halt schnell um, aber egal, es sollte zumindest bis morgen trocken bleiben.
Wo sich heute unser Campingplatz befindet, stand von 1889 bis 1930 eine Sägerei. Über 40 Jahre lang wurden hier Tonnen an Brettern gesägt, die Holzabfälle zu Kohle gemeiert und anschliessend alles in die ganze Welt verschifft.
Bis 1920 als die 48h Woche eingeführt wurde arbeiteten hier über 100 Frauen und Männer 6 Tage die Woche, 10 Stunden am Tag.
Entlöhnung:
Männer: 35 Öre / Stunde
Frauen: 20 Öre / Stunde
35 Öre = 0.35 SEK = 0.032 Euro = 3.2 Cent
Das macht in einer 60 Stunden Woche für Männer stolze 1.92 Euro... natürlich nicht Inflationsbereinigt.
Trotzdem krass, ich meine, wer würde heute für das Geld eine Stunde lang einen Finger krümmen, geschweige denn eine ganze Woche inkl. Samstag!
Wo sich die Sägerei befand, gibt es heute einen Steg, komplett am Ufer der Bucht entlang. Den kleinen Spaziergang haben wir schon hinter uns und auf dem Weg auch noch ein paar neugierige Tiere gesehen.
So, jetzt aber weiter ans Wäsche waschen und ob wir bleiben oder weiterfahren, erfahrt ihr morgen! 😉
Unten in den Bildern noch der zweite Pizza-Grill-Versuch von gestern - ist echt geglückt! - und natürlich von unserem ersten Sonnenuntergang seit über einer Woche, den wir mal wieder geniessen durften!
25. Mai 2025 | 16:15 Uhr
Ein Päuschen...
Heute haben wir wie gestern schon angesprochen ein kleines Päuschen gemacht.
Wir haben lange ausgeschlafen, gemütlich gefrühstückt und uns dann seit genau einem Monat mal wieder jeder für sich ein wenig beschäftigt.
Nicht etwa weil wir uns gestritten hatten - das passierte tatsächlich bisher immer noch nicht, obwohl wir im Wohnmobil natürlich auf engstem Raum 24/7 "aufeinandersitzen" - sondern einfach so... sogar mehr oder weniger ohne Absprache.
Stéphi hat sich ihrer Merkliste bei Youtube gewidmet und ich habe versucht in Crusader Kings III mein kleines eigenes Herzogtum in Livland (heutiges Baltikum) aufzubauen, welches schlussendlich zum Königreich Estland aufblühte.
Nach dem späten Mittagessen haben wir dann gemeinsam noch das andere Ufer der Bucht erkundigt und eine Gänsefamilie beim Plantschen beobachtet.
Das wars aber auch schon, heute war so ein richtiger "wir tun einfach mal gar nichts Tag" und ich glaube genau das haben wir nach ungefähr der Hälfte der Reise auch gebraucht.
Zum Wetter: Am Morgen hats noch geregnet, dann wars neblig und bewölkt, jetzt scheint wieder die Sonne - letztes Bild 19:00 Uhr, die anderen etwa 14:00 Uhr - also im Prinzip genau umgedreht zu gestern.
Morgen geht es dann weiter südwärts und übermorgen treffen wir bereits etwas nördlich von Karstad (S) ein. Dort lebt nämlich eine ausgewanderte Schweizer Familie, die dort eine eigene Käserei und einen Hof führt.
Sie haben mich vor ungefähr einem Jahr angeschrieben, bzw. die Firma in der ich zu der Zeit noch arbeitete und ich habe ihnen versucht bei der Optimierung der Kühlung des Käselagers zu helfen. Nun darf ich mir das Ganze aus der Nähe ansehen, schauen was es gebracht hat und vielleicht noch weitere Verbesserungsvorschläge anbringen.
Stéphi wird es sicherlich da auch nicht langweilig, die Familie hat unter anderem einen Hund, zwei Pferde, Hühner und Hasen.
Wir freuen uns darauf. Morgen gibt es aber wie gesagt erstmal noch ein Zwischenstopp, irgendwo zwischen hier und dort...😊
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Ach zwei ganz witzige Dinge hab ich ganz vergessen...
Gestern Abend, als wir die zweite Ladung Wäsche aus dem Trockner holen wollten, war dieser ausgeschaltet und die Wäsche noch ziemlich feucht.
Da es schon nach 22:00 Uhr war und wir keine Lust hatten, das Ganze noch einmal für 2h zu starten wurden wir etwas kreativ...
...irgendwo hatte ich doch 20m Nylonseil dabei - seht einfach selbst unten auf dem zweitletzten Bild 😅
Und zu guter Letzt: Hier wurde heute Vormittag um 11 Uhr einfach mal ein Haus angeliefert. Komplett fertig per Tieflader hingefahren und mit dem Kran auf ein paar vorbereitete Holzbalken gestellt, fertig. Das sah doch einigermassen interessant aus! (Letztes Bild)
26. Mai 2025 | 20:30 Uhr
Von der Kindersprache, über das gaumenschonende Holländisch bis zu einer unbekannten schwäbischen Speise...
Die Sprachen in unseren letzten drei Ländern Finnland, Norwegen und Schweden sind nicht nur sehr unterschiedlich sondern auch extrem interessant.
Während wir in Finnland gefühlt gar nichts verstanden haben, hatten wir in Norwegen zumindest das Geschriebene fast lückenlos entziffern können. Schwedisch bildet wie auch geografisch eine Art Mittelweg, wobei die Sprache dem Norwegischen doch sehr viel mehr ähnelt.
Das hat natürlich einen Grund, Schwedisch ist eine germanische Sprache – so wie Deutsch und Englisch. Sie stammt, wie Dänisch, Norwegisch und Isländisch auch, vom Altnordischen ab, das im Mittelalter in ganz Skandinavien gesprochen wurde.
Finnisch hingegen ist eine Sprache aus der finno-ugrischen Sprachfamilie, die zur uralischen Sprachfamilie gehört, also aus dem Osten kommend. Am ehesten gleicht Finnisch dem Estnisch und hat ausserdem Ähnlichkeiten mit dem Ungarischen.
Unten ein paar Fallbeispiele der jeweiligen Sprachen. Ihr werdet feststellen: Schwedisch und Norwegisch ist für ungeübte in etwa so schwer/einfach wie Holländisch - nur, dass man sich den Hals bei der Aussprache nicht zerstören muss - im Zusammenhang aber zumindest geschrieben einigermassen nachvollziehbar.
Finnisch hingegen... naja Ihr seht gleich, wieso wir beiden es liebevoll Kleinkindersprache nennen.
Finnisch:
Guten Tag!
- Hyvää päivää!
Wie gehts?
- Miton voit?
Wie viel kostet...?
- Paljono maksaa...?
Wo geht's zum Bahnhof?
- Missä rautatieasema on?
Ich hätte gerne ein Glas Wasser!
- Haluaisin lasillisen vettä!
Ich hab dich lieb!
- Rakastan sinua!
Knacknuss:
Was bedeutet:
- Idaa äu-iin!
- Isse uuge, iisi äch?
Auflösung vor den Bildern 😉
Norwegisch:
Guten Tag!
- God dag!
Wie gehts?
- Hvordan har du det?
Wie viel kostet...?
- Hvor mye koster det...?
Wo geht's zum Bahnhof?
- Hvor er togstasjonen
Ich hätte gerne ein Glas Wasser!
- Jeg vil ha et glass vann!
Ich hab dich lieb!
- Jeg elsker deg!
Schwedisch:
Guten Tag!
- God dag!
Wie gehts?
- Hur mår du?
Wie viel kostet...?
- Hur mycket kostar det...?
Wo geht's zum Bahnhof?
- Var ligger tågstationen?
Ich hätte gerne ein Glas Wasser!
- Jag skulle vilja het ett glas vatten!
Ich hab dich lieb!
- Jag älskar dig!
Was zum Henker meint der denn mit schwäbischer Speise? - dachte sich vielleicht der/die eine oder andere. Eigentlich nicht viel um ehrlich zu sein, nur dass der Ort, in dessen Nähe uns wir uns heute befinden, für mich klingt wie eine Nachspeise aus Stuttgart (D): Gävle (S) ist eine Stadt mit über 100'000 Einwohnern und liegt etwa 160km nördlich von Stockholm (S). Hier Bogen wir quasi ab ins Landesinnere und haben an einem wunderbaren See einen parkähnlichen, ruhigen Stellplatz gefunden.
Jedes mal, als ich Gävle (S) las schoss mir irgendwie ein älteres schwäbisches Ehepaar in den Kopf, bei denen - ich nenne ihn einfach mal Heribert - zu seiner Frau sagt: "Du Brigidde, wie wers denn, wenn du wido mol Gävle mache deetsch. I deet mi saumessig fräie!"
Vielleicht fang ich auch einfach nach 4 Wochen herumdüsen an zu fantasieren...
Naja erst fuhren wir heute eine halbe Stunde durch Höga Kusten (S), wo meine Heimatgefühle wieder aufblühten, da alles irgendwie aussieht wie eine Mischung aus Emmental und Thunersee, nur noch schöner!
Danach waren über 300km Autostrasse und Autobahn an der Reihe. Aber selbst das ist hier einfach ein X-faches schöner mit all den saftigen Wiesen, den schönen Dörfchen und den dichten grünen Wäldern um einen herum.
Auf jedenfall legten wir heute 368km in 4.5h zurück. (Pausen sind bereits abgezogen). Das macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 80km/h!
Um 10:00 Uhr als wir abgefahren sind, strahlte die Sonne. Die ganze Fahrt über bis ungefähr vor einer Stunde war es teilweise 20°C, also für uns beiden gefühlt Hochsommer.
Meine lange schwarze Jeans fühlte sich unter Sonneneinstrahlung auf jeden Fall ein bisschen sehr warm an...
Bei der Ankunft habe ich mich demnach richtig gefreut, habe ich doch heute noch ein kleines Schweinefilet gekauft: Grill-Zeit!
Was soll ich sagen, jetzt fängt es an zu winden und die ersten Tropfen klopfen auf meinen Schultern an - schnell rein hüpf - und es kühlt stark ab. Mal schauen wie sich das noch entwickelt...
Zum Schluss die Auflösung zur finnischen Knacknuss:
Idaa äu-iin!
- Lue da Delfin!
- Schau dort, ein Delfin!
Isse uuge, iisi äch?
- Fische luege, wo si sie äch?
- Fische anschauen, wo sind sie wohl?
Hintergrund:
Das ist natürlich kein Finnisch, aber das waren - gemäss Videobeweis von ca. 1997-1999 auf VHS-Kasette - meine ersten Sprechversuche.
Zuhause hatten wir einen Fischweiher und immer wenn Besuch kam, wollte klein Roli den Leuten die Fische zeigen - der Delfin war da aber nicht dabei, das war glaube ich damals ein aufblasbares Pool-Schwimmhilfen-Ding...
Aber ihr müsst zugeben, irgendwie hat es doch gewisse Ähnlichkeiten zur finnischen Sprache!
Vielleicht war ich als 2 Jähriger einfach aus Finnland adoptiert worden und meine Eltern haben mir das bis heute verheimlicht...? 😁
Bild: Schwester Nadine, Papa, Klein Roli (v.l.n.r.) irgendwann vor langer langer Zeit...
27. Mai 2025 | 17:45 Uhr
Unter Schweizern...
Eine Familie (ich muss erst noch fragen ob ich ihren Namen auch preisgeben darf...) aus der Schweiz wanderte 2021 nach Schweden aus. Etwa 50km nördlich von Karlstad (S) haben sie einen gesamten Hof inklusive Wohnhaus, Käserei, Gästehaus, Scheune und einigen Hektar Land gekauft... und das alles zu einem Preis, dass es einem als Schweizer Bürger schier schwindlig wird.
Immobilien in ländlichen Gegenden werden einem in Schweden, aber auch in Norwegen, förmlich hinterhergeschmissen.
Als uns der Preis für die insgesamt drei Parzellen genannt wurde, auf denen die verschiedenen Gebäude stehen dachte ich nur: "Joah, bei uns kriegst du dafür eine Doppelgarage..."
Auf jeden Fall haben wir hier unseren nächsten Stellplatz gefunden und wurden als aller erstes von Hündin Ria begrüsst - ein superlieber Mischling aus... finden wir noch raus.
Dann gab es eine kurze Führung über den Hof, das kleine Café und den Hofladen. Natürlich haben wir auch bereits die Pferde Candy und Coffee und alle anderen tierischen Bewohner der Farm besucht.
Morgen dürfen wir uns dann die Käserei und auch das Käselager genauer anschauen, bei welchem ich letztes Jahr aus der Ferne versucht habe, eine Optimierung im Klimatisierungsprozess vorzunehmen.
Offenbar gab es seither schon eine Verbesserung, vielleicht finden wir ja morgen sonst noch was... 🛠️
Das Gästehaus hinter uns ist gerade nicht besetzt und somit dürfen wir die sanitären Einrichtungen dort nutzen. Auch der dazugehörige Grillplatz gehört ganz uns.
Die Freude ist gross, denn das Wetter ist die nächsten Tage grandios! Endlich kann ich meinen Dutch Oven ausprobieren, heute gibt's - wenn wir schonmal unter Schweizern sind - Älplermagronen über offenem Feuer, Stéphis Lieblingsessen.
Morgen gibt es dann vermutlich mehr Bilder. Da wir aber auch hier wieder zwei Nächte verbringen, muss ich das Ganze ein wenig einteilen! 😉
Übrigens:
Der Eintrag über die Schwedischen Wraps ist endlich hochgeladen, den habe ich euch ja bereits in Kiruna (S) vor einigen Tagen versprochen!
28. Mai. 2025 | 16:30 Uhr
Käserei Rundgang inklusive Probierpaket...
...danke Mischa und Familie!
Das wichtigste zuerst:
Hündin Ria ist eine reinrassige Welsh Springer Spaniel-Dame! Wäre das auch geklärt...
Heute stand der Rundgang in der Käserei Lakene Ostgård auf dem Programm! Wir durften durch die gesamte Käserei gehen, uns vom Milchtank bei der Anlieferung über die Käsepresse, bis hin zum Lagerkeller inklusive Salzbad alles anschauen und bestaunen.
Dabei wurden wir von Mischa, dem Hausherrn hier, spannend und informativ unterhalten.
So einige Probleme hatte das Schweizer Ehepaar als sie vor 4 Jahren mit den beiden Kindern hierher ausgewandert sind.
Die Käserei wurde vorher nämlich von Holländern geführt, welche - wenn man es nett ausdrücken will - die ganze Anlage ein bisschen verkommen liessen.
So kam es, dass nach dem sehr günstigen Kauf der gesamten Käserei und Wohnhaus und Gästehaus und und und, dann doch einige unschöne Überraschungen auf sie warteten.
So tropfte es im ersten Frühling plötzlich - des schlechten Dachaufbaus geschuldet - in der gesamten Käserei von der Decke.
Als man bei den Vorgängern nachfragte hiess es nur "ach jaaa, das ist nur ein bisschen Kondenswasser." Ein bisschen ist wohl sehr unterschiedlich auszulegen...
Insgesamt macht die ganze Käserei für jemanden der in der Schweiz schon viele solcher Gebäude gesehen hat, einen doch eher improvisierten Eindruck. Ein Lagerkeller aus Sandwichpanelen in einem Holzhaus... so käsen sie wohl eben die Schweden, oder Holländer... oder hier jetzt die Schweizer!
Es ist nicht das, was man sich aus der Heimat gewohnt ist, aber es scheint zu funktionieren und soll hiermit auch überhaupt nicht negativ aufgefasst werden!
Mischa selbst sagte uns, dass sie ursprünglich ja auch keine Ahnung hatten vom Käsehandwerk, sich aber immer mehr mit dem Thema beschäftigten und durch viel Übung es unterdessen ganz gut gelingt.
"Unser grösstes Problem ist wirklich der Platz", meinte er und ja, der Lagerraum ist voll. Immerhin werden per Händler grössere Supermärkte, kleinere Boutiquen und Märkte beliefert.
Ausserdem ist im Sommer das Hofeigene Café offen, wo es natürlich Käse und auch selbstgemachtes Eis zu kaufen gibt. "Und den besten Kaffee in ganz Schweden!", ergänzte er stolz.
Die Nachfrage nach dem Käse ist also da, das Produkt kommt in Schweden gut an, aber es fehlt an Kapazität.
Zumal selbst der hier produzierte Gouda mindestens 2 Monate lagern muss, die Rundlaibe sogar 12 Monate, bzw. seit neustem versuchen sich die beiden auch an 24 Monate altem Käse. Käse herstellen ist ein Prozess, bei dem man viel Zeit und somit viel Lagerfläche benötigt.
Da der Gebäudekomplex aber von ihren Vorgängern aber nicht ganz durchdacht aufgebaut wurde gibt es viele Hürden, "aber man gewöhnt sich dran", meinte Mischa lächelnd.
Für einen erst geplanten Neubau oder Anbau müssten die Beiden mehr Geld ausgeben, als sie vor 4 Jahren für ihr gesamtes neues, 13 Hektar grosses Zuhause bezahlt haben.
Neu Bauen in Schweden ist teuer. Altes kaufen sehr billig und so lebt man hier immer ein bisschen von Tag zu Tag.
"Jeden Tag fällt etwas neues an, hier ist eine Leitung etwas undicht, da sollte man mal neu streichen, immer ist etwas da, es wird einem nie langweilig" scherzt Mischa und weist uns darauf hin, dass sie immer auf der Suche sind nach Leuten, die sich nach einer Auszeit sehnen...
Zugegeben, wenn ich könnte, würde ich einfach hier bleiben und erstmal einen Monat mit anpacken! Nach so einer Reise ist das aber definitiv gerade nicht drin.
Vielleicht ja in ein paar Jahren mal wieder, Lust hätte ich schon...
Sollte aber iiiirgendjemand hier diesen Blog lesen und Lust auf gratis Unterkunft im Gästehaus haben, im Gegenzug ein paar Stunden pro Tag bei der Arbeit zu helfen - was gerade anfällt, vor allem sind handwerklich geschickliche Allrounder gerne gesehen - there you go:
Nach dem Rundgang und dem interessanten Austausch zwischen Forstwartingenieur, der zum Hofherr und Käser wurde und einem reisenden Fachmann für Kälte, Klima und Energietechnik kriegten wir dann noch ein kleines Probierpaket mit auf den Weg.
Ich gebe zu, ich war skeptisch. Zumal es bei dem hier hergestellten Käse um ein "Gauda-Grundrezept mit mehr Geschmack" handeln soll und ich ja gar kein Fan bin von so Gummikäse.
Natürlich haben wir bereits drei der vier Sorten im Wohnmobil probiert, man kann ja nicht eine halbe Stunde im Käselager stehen und dann keinen Hunger kriegen.
Auf jeden Fall war ich sehr positiv überrascht!
Hier werden nebst dem klassischen "neutralen" Käse, von welchem wir einen ganzen Mini-Laib erhalten haben, auch Chili, Bärlauch und Bockshornkleesorten angeboten.
Und alle drei schmecken ja mal dermassen gut, würzig und endlich habe ich hiermit einen Bärlauchkäse gefunden, der auch wirklich richtig intensiv nach Bärlauch schmeckt!
Ja es wird sehr viel ausprobiert und das ist genau das was ich am meisten liebe an solchen Orten!
Übrigens: Die beiden tüfteln gerade an ihrer ersten Raclette Variante, alleine deswegen muss ich in ein paar Jahren nochmal hierher kommen! 😁
Zum Rest vom Tag:
Wir haben heute Vormittag einen kurzen Spaziergang zum See unternommen und ich war erst verblüfft, wie spät hier der Bärlauch blüht...
...nach näherer Betrachtung wurde mir aber bewusst: Finger weg, das sind Maiglöckchen! Ich glaube Übelkeit und Durchfall wären im Wohnmobil noch unbrauchbarer als zu Hause.
Die Älplermagronen im Dutch-Oven gestern sind übrigens geglückt und heute gibt es gleich nochmal was vom Grill: Schweinefilet mit Folienkartoffeln und gegrilltem grünen Spargel. 😋
29.05.2025 | 17:45 Uhr
Schon wieder Schwäbisch...?
Nach zwei tollen Tagen auf dem Hof von Mischa und seiner Familie ging es heute weiter südwärts. Unweit des Ufers vom Vänern sind wir heute zur Rast gekommen.
Der Vänern ist übrigens der grösste natürliche See in der EU. Nur der Ladogasee und der Onegasee sind europaweit gesehen grösser, beide liegen östlich von St. Petersburg (RU). Mit einer Fläche von 5519km² ist der Vänern mehr als zehnmal so gross wie der Bodensee.
Der grösste See der Welt ist übrigens das Kaspische Meer. Das Wasser dort ist ungefähr ein Drittel so salzig wie Meerwasser. Trotzdem ist das Kaspische Meer ein See, weil es von Land umschlossen ist. Die Fläche beträgt übrigens 386.400km², also ein bisschen grösser als Deutschland.
Auf dem Weg hierhin sahen wir mal wieder sowas wie Felder und Landwirtschaft. Nach dem Baltikum wurden diese nämlich fast durchgehend von Wäldern, Bergen und Seen oder Meer abgelöst.
Ausserdem erblickten wir in der Nähe von Karlstad (S) eine riesige Fabrik. BillerudKorsnäs ist ein Konzern, der Papier aus Zellstoff herstellt. Jährlicher Umsatz: Sagenhafte 3.5 Milliarden Euro.
Das Wetter heute ist wieder etwas kühler, vor allem durch den eher starken Wind und die Wolken, die die Sonne grösstenteils verdecken.
Auf der Fahrt sind wir heute an der Ortschaft Säffle (S) vorbeigefahren. Direkt ging bei mir wieder der Schwabenschalter an und ich musste direkt an die schwäbischen Werbefilmchen mit "s'Äffle und s'Pferdle" denken.
Auch unser Reiseleiter "Glood" - der übrigens unterdessen wohl den Orang Utan mit der weltweit meisten Reiseerfahrung verkörpert - hat sich natürlich darüber gefreut, dass es hier eine nach seiner Art benannte Stadt gibt und sich mit Ortsschild und Sandwich aus dem hiesigen Supermarkt direkt ablichten lassen.
Glood war vor der Reise übrigens auch schon auf Mallorca (ESP), in der Normandie (F), in Bayern (D) und an diversen anderen Destinationen, der kommt überall mit! 🐒
Unten findet ihr auch noch ein paar Impressionen vom Grillabend gestern und es bleibt eine Frage an unsere Skandinavien-Expertin in Hessen (D):
Wieso schmeckt in Schweden alles nach Seife?
Egal ob Fruchtgummis, Kaugummis, Getränke, selbst der eine Wrap, den wir uns einmal zum Mittagessen gekauft hatten. Ich hab den halben gegessen und Stéphi erkannte wohl an meinem Gesichtsausdruck, dass es nicht der Hit ist. Nachdem sie auch probierte spuckte sie es wieder aus... Keine Ahnung ob es so schmecken sollte, oder ob da etwas schlecht geworden ist?
Übelkeit oder Bauchschmerzen hatte ich danach nicht, aber mindestens die Leute aus der Ter. Div. 3 wissen, dass mein Magen einiges aushält...
Bitte um Aufklärung @Tika!
Die letzte Nacht in Schweden und wieso wir ab morgen arm sind...
Bei strahlendem Sonnenschein durchquerten wir heute Vormittag die Felder in der Umgebung vom Vänern. Gras, Weizen und Raps schmückten die Umgebung und wir genossen die erste Stunde sehr.
Dann ging es wieder per Autobahn südwärts. Wir fuhren einmal quer durch Göteborg (S), die mit knapp 600'000 Einwohnern zweitgrösste Stadt des Landes.
Um ehrlich zu sein, schön ist anders, aber das sage ich als Landei - aufgewachsen in einem 230 Seelendorf - eigentlich zu fast jedem Ort der mehr als 10'000 Einwohner hat. 😅
Interessant aber: Wir fuhren am Vergnügungspark Liseberg vorbei, quasi der Kleinversion vom geliebten Europapark in Rust (D). Mit 20 Hektar - ungefähr 1/5 so gross wie jener in Rust (D) - begrüsst der Liseberg jährlich immerhin fast 3 Millionen Besucher, beim Europapark sind es "nur" doppelt so viele.
Spannend, wie dieser Park einfach mitten in der Grossstadt steht und man die Achterbahnen von der Autobahn aus perfekt beobachten kann, wobei dafür wenig Spielraum bleibt, wenn man bei einer drei- bis vierspurigen Schnellstrasse alle 2km schauen muss, wo man denn jetzt einspuren muss um nicht im Zentrum zu landen. Das wollte ich nämlich mit unserem 7.5m Landschiff tunlichst vermeiden.
Wir sind nun ungefähr in der Mitte zwischen Göteborg (S) und Malmö (S) - der drittgrössten Stadt Schwedens, rund 300'000 Einwohner - angekommen und haben einen tollen Strandspaziergang am Kattegat, dem Meeresgebiet zwischen Jütland (DK) und der schwedischen Westküste, hinter uns.
Was hier wirklich krass ist: Der Strand ist hier an manchen Stellen mit Muscheln übersäht. Etwas oberhalb, wo das Wasser nur bei Sturm hinkommt liegen sie teilweise halbmeterhoch und wir konnten uns mit gratis Souvenirs eindecken.
Trotz der steifen Briese, die hier weht, haben wir angenehme 16-18°C und einige der anderen Camper haben schonmal einen Abstecher ins kühle Nass gewagt.
Witzig auch, hier kann man mit dem Auto - sofern es unter 2.1m hoch ist - direkt bis ans Wasser fahren und am Strand parken.
Morgen wartet dann der bisher längste Abschnitt auf uns: Über 500km von der Westküste Schwedens an die Westküste Dänemarks, an die Nordsee.
Den dortigen Campingplatz kenne ich bereits aus einer Campingreise mit meiner Familie vor - ich glaube - 8 Jahren und ich habe ihn noch gut in Erinnerung, denn er befindet sich mitten in den Sanddünen.
Wir überqueren morgen also auch die Øresundsbroen zwischen Malmö (S) und Kopenhagen (DK) und die Storebæltsbroen, welche den grossen Belt zwischen den beiden dänischen Inseln Fyn und Sjælland überbrückt.
Wie bereits in Norwegen, werden die Baukosten der beiden Brücken durch Mautgebühren refinanziert. Erstere ist 7845m lang und kostete rund 1 Milliarde Euro. Die Øresundsbroen wurde im Jahr 2000 fertiggestellt.
Letztere kostete etwa 3.8 Milliarden Euro und wurde Mitte 1998 fertiggestellt. Die Storebæltsbroen ist mit ihren 18km Gesamtlänge nochmal deutlich länger, Allerdings ist diese auch zweigeteilt und in der Mitte auf einer Insel "abgestützt".
Kurzum: Wir bezahlen mit unserem Wohnmobil für die beiden Brücken mehr als für die Fähre von Tallinn (EST) nach Helsinki (FIN), nämlich rund 1650 DKK, also etwas über 200 Schweizer Franken... AUTSCH!
Ein abschliessendes Fazit zu Schweden, Norwegen und Finnland, den drei Ländern in denen wir mit Abstand am meisten Zeit verbracht haben. In Finnland waren es sechs Nächte, in Norwegen fünf und in Schweden deren zehn, bzw. nach heute elf - wenn ich mich nicht verzählt habe...
Uns hat landschaftlich vor allem Norwegen zu tiefst beeindruckt. Mit den Fjorden und den direkt angrenzenden Bergen ist es einzigartig und etwas vom schönsten, was man in Europa sehen kann, davon sind wir überzeugt.
Aber auch Schweden ist wunderschön, wirkt aber allgemein etwas freundlicher, grüner und abwechslungsreicher.
Finnland hatte auch seinen Reiz, aber ich denke, um die wahre Schönheit Finnlands zu erleben, müsste man im Winter nochmal hin. Dann wenn alles meterhoch mit Schnee bedeckt ist und die Polarlichter einem in der ewigen Nacht den Weg weisen.
Die Leute sind hier im Norden überall relativ kühl und trocken, aber sehr, sehr hilfsbereit, egal ob in Südschweden oder im Norden Finnlands!
Einen Unterschied gibt es aber doch und das ist vor allem mir als Fahrer aufgefallen: Je weiter nördlich man sich befindet, umso gemütlicher fahren die Leute. Während die Finnen lieber 2km/h zu langsam vor sich her dümpeln, die Norweger sehr penibel auf die Geschwindigkeit achten, wird man hier in Schweden eher auch mal überholt, wenn man nicht genau die Höchstgeschwindigkeit drauf hat.
Aber auch hier wird nicht gerast, wie wir das vielleicht von Polen oder Italien kennen. Wieso? Hier in Skandinavien steht gefühlt in jedem Ort, an jeder Kreuzung ein Blitzer. Der Unterschied zur Schweiz liegt darin, dass diese gut sichtbar und 300m vorher beschildert sind.
Man reisst den Leuten also nicht, mit in Büschen und hinter Ecken getarnten Radargeräten, das Geld aus der Tasche, sondern macht effektiv etwas gegen zu schnelles Fahren und steigert somit die allgemeine Verkehrssicherheit.
Aber das ist bei uns ja auch der einzige Gedanke hinter diesen tollen Gerätschaften, nicht wahr...?
Ach und vielleicht eine letzte Gemeinsamkeit:
Alkohol ist extrem teuer, Fleisch ist extrem günstig...
...ausser in Norwegen, da ist irgendwie alles teuer, selbst das Tanken kostet dort 20% mehr als in Schweden und in Finnland.
Für die Schweizer, die schnell unter Heimweh leiden, empfehle ich also Norwegen, da sind wenigstens die Preise ähnlich hoch und die haben am ehesten sowas wie Berge! 😉
31.05.2025 | 17:55 Uhr