Kroatien

Im sonnig warmen Kroatien verweilten wir auf einem Weingut.

Auch hier rasteten wir nur eine Nacht. Anschliessend führte unser Weg nach...

Von grossen Feldern, netten Menschen und sonnigen Weinbergen...

Und bereits die nächste Landesgrenze haben wir heute überquert und - man mag es kaum glauben - so geht es in den nächsten Tagen weiter:
Morgen Ungarn, übermorgen Österreich, überübermorgen Tschechien, dann die Slowakei.
Heute aber sind wir erstmal in Kroatien gelandet.

Für mich ist es auch hier das erste Mal. Stéphi hatte das Vergnügen früher schon einmal. Den einzigen direkten Berührungspunkt, den ich bisher mit dem Land haben durfte, ist wohl meine Hobbyschwägerin, eine gebürtige Kroatin.

Ich muss zugeben, ich war sehr positiv überrascht. Ich hatte definitiv nicht mit so guten Strassen und so gepflegten Häusern gerechnet, zumal wir nicht wirklich in einer touristischen Gegend unterwegs waren. Ganz witzig fand ich die Bauweise, wie die Kroaten ihre Dörfer in die Landschaft setzen. Einmal fuhren wir durch die Dörfer Jurketinec (HR) Vidovec (HR), Papinec (HR), Cargovec (HR) und Nedeljanec (HR). Die Dörfer liegen alle auf einer West-Ost Linie und sind so rund 7km lang. Auffällig war für uns schon beim durchfahren: kaum Seitenstrassen! Das war einfach eine lange Strasse, links und rechts gesäumt mit Einfamilien- oder maximal Zweifamilienhäusern. Dahinter war stets nichts. Kein Dorfkern, keine Quartiere... einfach nur eine Strasse mit Häusern...

...naja jetzt wo ich nebenbei Google Maps offen hab und nachsehe wo wir denn überhaupt durchgefahren sind, wird auch klar wieso: Sowohl südlich, wie auch nördlich dieser "Dörferkette" erstreckt sich ein Landwirtschaftliches Anbaugebiet von - ich schätze mal - rund 100 Quadratkilometer. Da sind einfach rund 14'000 Fussballfelder Agrarfläche für Zuckerrüben, Kartoffeln, Weizen und Mais.

Slowenien hatte also die unendlichen Wälder, Kroatien die unendlichen Felder... und tolle Hügellandschaften... und sehr blumige Friedhöfe... und erstaunlich gute Strassen... und sehr schöne Häuser. Wieso jedes dritte Haus noch keinen Verputz an der Fassade hat, versuche ich noch herauszufinden, aber der rohe Backstein hat irgendwie auch was.

Übrigens habe ich es weder in der Schweiz noch in Italien, noch in sonst einem Land der Welt jemals erlebt, dass wenn man die falsche Einspurstrecke gewählt hat, gleich 3 (!) Autos zur Seite fahren wollen um einen doch noch Platz zu machen. Sehr nettes Völkchen hier!

Heute haben wir auf einem ziemlich neuen und sehr modern eingerichtetem Campingplatz auf einem Weingut im kroatischen Nordosten Halt gemacht. Theoretisch könnte man hier sicherlich auch diverse Weinchen probieren. Da sie hier aber eher auf Weisswein spezialisiert sind und das nicht so wirklich unseres ist, werden wir wohl dankbar verzichten.
Übrigens: heute haben wir das erste - und möglicherweise auch schon das letzte Mal - die 30°C Marke geknackt!

Unten verlinkt findet ihr den Versuch einen italienischen Klassiker auf kroatische Art und Weise zuzubereiten... inklusive Resteverwertung! 😉

30. April 2025 | 19:10 Uhr

Ein bisschen Geschichte, ein bisschen Kulturgut... 

Gestern kam ich schon auf die unfertigen Backsteinbauten in Kroatien zu sprechen. Nach ein paar Tipps und eigener Recherche habe ich nun eine interessante und plausible Erklärung gefunden.


Nachdem die Nacht ohnehin eher bescheiden war, da ein Motorradfahrer das Gefühl hatte, es sei doch eine tolle Idee um 03:20 Uhr für ungefähr eine Viertelstunde bei uns die Strass auf und ab zu fahren - mit kaputtem Auspuff - setze ich mich hin und fasse es möglichst kurz und knackig zusammen.

Nach den Jugoslavienkriegen waren viele Menschen geflohen, zu viele waren tot und die Häuser zu Ruinen verkommen. Damals wurde der Wiederaufbau und das Nutzen der vorhandenen Ressourcen vom Staat gefördert. Das Einzige was wohl nicht subventioniert wurde, war das Verputzen der Häuser, da nicht zwingend notwendig. Und so ergab es sich, dass bis heute viele Häuser so stehen gelassen wurden, als Zeichen der Demut oder einfach aus dem schlichten Grund, dass es kein Geld gab für Putz und Farbe.

Heute sieht man hingegen auch wieder mehr Häuser, welche verputzt sind und das in den grellsten Farben.
Mir fällt ein Haus ein, an welchem wir vorbeigefahren sind: Es war leuchtend Gelb-Rot gestrichen, jede Wand und jeder Winkel abwechselnd in den beiden Farben... äusserst hässlich!

Diese verputzten, auffälligen Bauten, teils mehrstöckig und völlig unproportional und übertrieben gehören aber meist den "Neureichen", den "politischen Günstlingen" und "Angebern". Viele haben grosse Garagen, aber der schöne BMW oder Mercedes steht immer vor der Garage. Wieso auch ein schönes Auto haben, wenn es niemand sehen kann?


Bei uns in der Schweiz gibt es das oftmals etwas belächelte Klischee des Mannes aus Ex-Jugoslavien, der um jeden Preis einen schönen Wagen haben muss, kann er sich diesen nicht kaufen, wird er geleast...
... ist dieses Klischee näher an der Realität als gedacht?

Wie immer bei Klischees gilt wohl:
Von nichts kommt nichts, aber alle in eine Schublade schmeissen... das funktioniert vielleicht bei Besteck, nicht aber bei Menschen.

Ist man nämlich hier in dieser Region merkt man,
dass einigen Leuten ein solches Statussymbol sehr viel bedeutet...
...die Anderen leben in unverputzten Backsteinhäusern und belächeln die "Angeber", schütteln den Kopf und sind auf ihre eigene bescheidene Weise zufrieden.

01. Mai 2025 | 08:50 Uhr 

Den ganzen Bericht mit dem Titel "Die Zukunft" von Michael Glawogger, einem österreichischen Dokumentarist findet ihr...