Deutschland

Anschliessend ans Wikingermuseeum ging es in unser Nachbarland Deutschland.

Hier standen zwei tolle Treffen mit Freunden auf dem Plan.

Ausserdem besuchten wir das Panzermuseum Munster und als prägendes "Highlight" - wobei diese Bezeichnung nicht ganz passend ist - das ehemalige KZ Buchenwald.

Dann ging es weiter in die Benelux Staaten, angefangen in den...

Vorbei am drittgrössten Hafen Europas und zu Besuch im deutschen Thun (CH)...

Heute morgen wurden wir auf dem Campingplatz von kleinen flauschigen wilden Kaninchen begrüsst - Stéphi war völlig aus dem Häuschen - und fuhren dann weiter in Richtung Kiel (D).

Auf dem Weg dorthin passierten wir einige alte und wunderschöne Backsteinhäuser mit Strohdach. Im Gegensatz zu den unfertigen Backsteinbauten in Kroatien ist das hier aber gewollt und es hat wirklich einen wunderbaren Charme!

Nach Kiel (D) ging es weiter in Richtung Hamburg (D), mit fast 2'000'000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Deutschlands, direkt hinter Berlin mit fast doppelt so vielen Einwohnern. 


Wir hatten einen absolut fantastischen Ausblick über den Hafen, mehr dazu weiter unten. Abgesehen davon ist die gesamte A7 auf dem Weg durch die Stadt eine riesige Baustelle! Zeitverzögerungen gab es bei uns keine, auf der Gegenfahrbahn, wo sich über fast 10km LKW um LKW aufreihte, sah das ein wenig anders aus. 

Ausserdem war es ziemlich beeindruckend mal wieder auf einer Autobahn zu fahren, welche zuweilen fünf- oder sogar sechsspurig geführt wird. Sowas gibt's bei uns in der Schweiz platzbedingt schonmal gar nie zu sehen.

Nach Hamburg führte uns der Weg durch die Lüneburger Heide (D) in die Region Munster (D). Die Kleinstadt liegt ungefähr mittig zwischen Hamburg (D) und Hannover (D) und ist geprägt von ländlicher Umgebung und einem der grössten Standorte der Bundeswehr.

Hier befinden sich die grösste Panzer-Ausbildungseinrichtung des Landes und ein sagenhaft tolles Panzermuseum, an welchem wir natürlich nicht einfach so vorbeifahren konnten.

Dazu gibt's aber morgen mehr, denn wir bleiben auch hier wieder zwei Nächte und somit habe ich für morgen schon tolle Bilder gemacht! 😌 

Die Landschaft hier ist wirklich traumhaft. Saftig grüne Wiesen, grosse Felder und viele Wälder. Jede Strasse, die man entlangfährt gleicht einer Allee.

Ab und an durchbricht das Grollen eines - ich schätze mal - Übungsschusses eines Panzers oder einer Artillerie die Ruhe und unterbricht kurzzeitig das Vogelgezwitscher.

Die Temperaturen lagen heute tagsüber zwischen 24°C und 27°C, unterdessen ist es etwas bewölkter.

Die riesen Frachter haben eine Kapazität von unzähligen Containern und weltweit fahren tausende davon auf den Meeren, Ozeanen und Kanälen umher.

Das grösste Containerschiff der Welt - die  MSC-Irina - hat eine eine Kapazität von über 24'000 Standardcontainern. Sie ist 400m lang, 61m breit und es gibt alleine davon sechs baugleiche Typen.

Ihr WinGD-Motor - welcher alleine schon 23m lang und 16m hoch ist - leistet rund 86'800 PS und ist somit der stärkste kommerziell erhältliche Marine-Verbrennungsmotor der Welt. Er wurde von der    Winterthur Gas & Diesel Ltd  (Firmensitz in der Schweiz) entwickelt und gebaut. Wir sind halt echte Spezialisten für Hochseefracht, oder so...

Wenn wir ehrlich sind: Absolut geisteskrank...

...aber höchst beeindruckend!

04. Juni 2025 | 18:00 Uhr

Panzermuseum Munster (D)

Es ist wohl kein Geheimnis mehr, dass ich ein grosser Bewunderer dieser Stahlmonster bin und mir im Laufe der Jahre einiges an Wissen über das technologische Wunderwerk des frühen 20. Jahrhunderts aneignen konnte.

Entweder über das Computerspiel World of Tanks - ja ich weiss, Simulation, oftmals  nicht 100% historisch korrekt - im Internet oder in Büchern, über einen guten Freund in Hessen, der quasi ein wandelndes Panzerlexikon verkörpert oder in Museen, wie eben dem in Munster (D), welches wir gestern besucht haben.

Bild: Panzerkampfwagen I (PzKpfw. 1)

Der erste Serienmässig eingesetzte Panzer der Deutschen Wehrmacht nach dem ersten Weltkrieg.
Hauptbewaffnung:  2 × MG (Kaliber 7,92mm)
Stückzahl: 1'500 Exemplare (1934-1937)

Das Panzermuseum in Munster (D) zeigt über 100 Exponate. In einem chronologisch aufgebauten Rundgang kann man erst einen Nachbau des A7V betrachten, der allererste deutsche Panzer überhaupt.

Diese Bunker auf Ketten waren zu der Zeit noch nicht als Kampfpanzer angedacht, sondern um die festgefahrene Grabenkriegsfront zu durchbrechen, welche im 1. Weltkrieg die Schlachtfelder dominierten.
Somit waren sie zwar lang genug um über die Schützengräben einfach hinwegzufahren und teilweise auch bewaffnet, die Mobilität war aber sehr stark eingeschränkt.

Führend waren zu der Zeit die Briten, welche mit dem Modell Mark I den Startschuss ins Panzerjahrhundert setzten.

Bild:  Mark-I-Prototyp „Mother“ 1915
Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_I

Nach dem ersten Weltkrieg verloren die Briten relativ schnell das Interesse an den Panzern, nicht so die Deutschen. Während die Nazis massiv auf Panzertruppen setzten und damit in ihrer Blitzkrieg Taktik auch massive Erfolge erzielten, begann ein technologischer Wettstreit zwischen Deutschland, Frankreich, England, Russland und den USA.

Nach dem 1. Weltkrieg und dem Versailler Vertrag war die Deutsche Armee auf 100'000 Mann begrenzt worden. Als Adolf Hitler die Wehrpflicht 1935 wieder einführte, wuchs die Wehrmacht bis Kriegsbeginn auf 4.5 Millionen Mann an. Diese Zahl sollte sich im Laufe des Krieges noch verdoppeln! Wehrdienstverweigerern drohte die Todesstrafe. Die Panzertruppen galten als  ausserordentlich ehrenvoll.

Bild:  LT vz. 38 (CZ) | PzKpfw 38(t) - t steht für tschechisch

In der annektierten Tschechei produzierter Panzer, welcher in die Deutsche Wehrmacht eingegliedert wurde. 
Hauptbewaffnung: Kanone (Kaliber 3,7cm)
Stückzahl: 1'400 Exemplare (1939-1942)

Firmen wie Krupp, Rheinmetal und Porsche waren stetig im Wettstreit gegeneinander. Das förderte zwar die Entwicklungsgeschwindigkeit, weil jeder immer der erste sein wollte, allerdings liess die Führung der Wehrmacht dann oft trotzdem mehrere Modelle gleichzeitig bauen, anstatt sich auf einen ausgereiften Panzer zu konzentrieren. Somit waren viele Deutsche Panzer unter Zeitdruck gefertigt und im Feld sehr störanfällig.

Bild: Die drei Hauptakteure des zweiten Weltkriegs
Links: M4 Sherman (USA) mit 76mm Geschütz
Stückzahl: 50'000 Exemplare (1942-1945)

Mitte: T-34-76 (UdSSR) mit 76mm Geschütz
Stückzahl: 30'000 Exemplare (1939-1943)  | Später als T-34-85 (mit 85mm Geschütz) nochmal rund 20'000 Stk.

Rechts: PzKpfw IV (DR) mit 75mm Geschütz
Stückzahl: 8'500 Exemplare (1937-1945)

Als die Russen mit ihren ersten T-34 Panzern gegen die Deutschen antraten waren letztere geschockt. Damals waren ihre die PzKpfw II / III und IV noch mit kurzen 3.5cm Geschützen ausgestattet und vermochten den T-34 kaum zu durchschlagen.

Die Deutschen bauten selbst legendäre Panzer wie den "Tiger" noch mit geraden Panzerplatten, während die Sowjets die Platten schräg anwinkelten. 

Dadurch war ein Abpraller viel wahrscheinlicher und die Deutschen rüsteten ihre Panzer in der Folge mit langen 7.5cm Geschützen aus.
 

Bild:  T34-85 (UdSSR) 

Man erkennt gut die angewinkelten Panzerungsplatten an Front und Seite 
Hauptbewaffnung: Kanone (Kaliber 85mm)
Stückzahl: 20'000 Exemplare (ab 1943) 

Erst als der PzKpfw VI "Tiger" - wie gesagt, wegen jahrelanger zurückgehaltener Entwicklung immer noch mit geraden Platten, dafür aber frontal 100mm dick und später sogar mit einer 8.8cm Waffe ausgestattet - und der PzKpfw V "Panther" mit abgewinkelter Panzerung auf den Schlachtfeldern erschienen, hatten die Deutschen wieder zwei überlegene Modelle.

Diese waren aber dermassen Störanfällig und brauchten unmengen an Treibstoff, den die Deutschen zum Ende des Krieges einfach nicht mehr hatten, dass diese Wunderwaffen schlicht und ergreifend zu spät kamen.

Bild:  PzKpfw VI "Tiger" (DR) 

Gerade Frontplatten 100mm, enormes Gewicht von 57t und einem Benzinverbrauch von 500-700l/100km
Hauptbewaffnung: Kanone (Kaliber 8.8cm)
Stückzahl: 1'350 Exemplare (1942 - 1944) 

Andere deutsche Panzer des 2. Weltkrieges im Überblick

PzKpfw. V "Panther"

Gute Mobilität, Feuerkraft und effektive angewinkelte Panzerung.

Rund 6'000 Stk.

7.5cm Kanone

Jagdpanzer 38 "Hetzer"

Leichter Jagdpanzer auf Basis des PzKpfw. 38(t)

Rund 5'000 Stk.
7.5cm PAK
Auch mit 10.5cm Haubitze eingesetzt.

Jagdpanther


Schwerer Jagdpanzer auf Basis des PzKpfw. V "Panther"

Rund 420 Stk.
8.8cm PAK 

Links: Marder auf Basis des PzKpfw. 38(t)


Mitte: StuG III  auf Basis des  PzKpfw. III 

 

Rechts: JdPz IV  auf Basis des PzKpfw. IV 


"Grille" & "Hummel"


Selbstfahrlafetten (Artillerie / Panzerhaubitze)

Bewaffnung jeweils
 15cm Feldhaubitze  

Da ich hier irgendwie zu einem Ende kommen muss und nicht jeden einzelnen Panzer beleuchten kann, ein letzter Abschnitt:

Auf dem Bild sind zwei Modelle zu sehen:
Links der PzKpfw. VI "Tiger II" - welcher keine Weiterentwicklung vom Tiger I darstellt, sondern eine komplette Neuentwicklung, jetzt mit angewinkelter noch dickerer Panzerung - und rechts ein KzKpw. VIII "Maus".

Der Tiger II, auch Königstiger genannt war 69.7t schwer und somit das grösste Panzermodell, das zu der Zeit in Serie gebaut wurden, nämlich rund 490 Stk.

Daneben die Maus war eine Idee der grössenwahnsinnigen Führung der NSDAP, einen unbesiegbaren Panzer zu bauen. 

Porsche begann zwei Modelle zu bauen, welche dann 1945 durch die rote Armee beschlagnahmt wurden. Die einzige Maus, die heute existiert, wurde aus den beiden Prototypen zusammengebaut und steht im Panzermuseum Kubinka (RU).

Dieses Monstrum wiegt 188t und ist frontal 240mm dick gepanzert. Das ist verdammt viel Stahl! Bewaffnet sollte die Maus mit einer 12.8cm Kanone, sowie einer Sekundärwaffe von 7.5cm werden.

Links auf dem Bild ein anderes Monstrum:
Der Sturmmörser 38 "Sturmtiger" verschiesst 38cm(!) Kaliber Geschosse. 
 

Ursprünglich war das Geschütz von der Marine in Auftrag gegeben worden um 38cm Tauchraketen auf U-Boote abzufeuern. 


Eine 1945 entwickelte Hohlladungsgranate sollte mit dem Teil in der Lage sein 2.5m Betonmauern zu durchschlagen... nicht zu zertrümmern, zu durchschlagen! 

Insgesamt wurden 18 Exemplare gebaut.

Unten noch eine Vielzahl Bilder von den eher neueren Panzern wie zum Beispiel dem britischen Centurion, der auch in der Schweizer Armee zum Einsatz kam. Amerikanische M46/ M48 Patton und M60 Panzer oder dem sehr flachen und einzigartig gebauten schwedischen Stridsvagn (Strv) 103, dessen Kanone fest in der Wanne verbaut ist und sich per Hydraulisch anheb- und absenkbaren Kettenlaufwerken ausrichtet...
...und vielen mehr!

05. Juni 2025 | 11:35 Uhr

"Ich bin ein Berliner!"

Dies ist wohl eines der berühmtesten Zitate des 35. US-Amerikanischen Präsidenten John Fitzgerald Kennedy.

Ausgesprochen auf seinem Staatsbesuch in Westberlin um den eingemauerten Einwohnern, die der Bundesrepublik Deutschland angehörten. Im Namen der USA versprach er Ihnen beizustehen und sie vor dem russischen Kommunismus zu schützen.

149 Tage später wurde Kennedy bei einem Attentat in Dallas, Texas (USA) erschossen und reihte sich hinter Abraham Lincoln, James A. Garfield und William McKinley als vierter in die Reihe der ermordeten Präsidenten der USA.

Was aber hat das alles mit unserer Reise zu tun? Man wird es sich denken können, wir sind in der Nähe der Hauptstadt Deutschlands: Berlin (D).

Kleines Witzchen:
(Stéphi fand es gar nicht so witzig)

Beim Schild auf dem Bild kommt man entweder nach Frankfurt ODER nach Berlin, Potsdam und Lehnin, je nachdem wie die Weichen gestellt sind... haha... ha... ha...

Wie gestern schon erwähnt beheimatete die Grossstadt Ende 2024 ungefähr die Hälfte der Einwohner der Schweiz oder das Doppelte von Lettland, nämlich 3.897.145 Menschen...

Deutschland liegt übrigens flächenmässig auf Rang 6 in Europa und stellt somit das für uns zweitletzte Land in den Top10 Europas. Russland (1) und die Ukraine (2) werden wir aus - hoffentlich - nachvollziehbaren Gründen nicht bereisen und bis nach Spanien (Rang 4) gelangen wir auch nicht. Was jetzt noch fehlt ist Frankreich auf Rang 3 und somit unser flächenmässig grösster Staat. Anyway... 

Mit  ca. 357.022 km² ist Deutschland etwas grösser als Finnland. Aber! Finnland hat insgesamt nur 1.4x so viele Einwohner wie Berlin (D), bzw. fast 15x weniger Einwohner als Deutschland.

Wir fuhren also von der Ostsee nach Munster (D), dann wieder ostwärts nach Berlin (D) und am Sonntag soll es in die Region Giessen (D) in Hessen gehen. Wieso solche Umwege?

Ganz einfach morgen werden uns drei Freunde aus der Region besuchen. Einer kommt aus Potsdam, der andere aus Berlin Süd und der andere aus Cottbus. Somit brauchten wir irgendeine goldene Mitte und die haben wir gefunden.

Somit wird es morgen hier auch KEINEN Eintrag geben, ich denke aber das ist vertretbar. Gleiches gilt übrigens für Pfingstmontag, da treffen wir nämlich ein befreundetes Paar  in Hessen - wobei die eine Hälfte aus Norddeutschland stammt, aber das tut nichts zur Sache.

Auch Deutschland hat grosse Waldflächen. In der Lüneburger Heide gibt es viele natürliche wunderschöne Wälder. Der auf dem Bild ist aber alles andere als natürlich und so sehen in Deutschland viele Wälder aus. 

Man erkennt es auf dem Bild sehr schlecht aber die Deutschen lieben wohl nicht nur auf den Campingplätzen ihre Ordnung sondern auch im Wald. In Reih und Glied, wie ein gigantisches Heer, werden hier die Bäume gepflanzt. Schön ist anders - aus unserer Sicht - aber man muss zugute halten: Immerhin werden noch Wälder gepflanzt und es wird somit etwas für die Umwelt getan. 

Wie gesagt, die Deutschen und Ihre Ordnung und ihre Bürokratie... ja in der Schweiz ist das ja teilweise schon... sagen wir einmal für den normaldenkenden Staatsbürger etwas zu viel des Guten. Was unsere Nachbarn aber hier teilweise an den Tag legen ist schon verrückt. 

Ich muss da oftmals etwas schmunzeln, wenn man die Preisliste eines Campingplatzes durchliest. Die gleicht hier nämlich meist eher einer Speisekarte vom Italiener um die Ecke.


In Skandinavien oder im Osteuropa, auch im Baltikum oder Italien bezahlt man einen Preis und da sind dann Camper, 2 Personen, Duschen, etc. inklusive. Manchmal zahlt man noch eine Pauschale für Strom, ist aber oftmals auch dabei.

Hier kommt erstmal die Frage: Van, Wohnmobil, Wohnwagen, Auto mit Dachzelt, Zelt? Dann die Frage nach der Länge: bis 6m, 8m, 10m oder mehr? Strom ja/nein? - teilweise noch per Zähler und pro Kw/h abgerechnet!!! - Brauchen Sie Duschmarken, 50 Cent für 3 Minuten, wie viele? Chemietoilette entsorgen 3 Euro, Abfallgebühren 2 Euro, sonstige Gebühren 1.50 Euro pro Person...

Was ich damit sagen will. Es ist nicht teurer als in Skandinavien oder Italien, aber meine Güte dieser Aufwand beim Abrechnen. Mir wäre das als Betreiber zu doof. Aber nunja, so sind sie, die Deutschen, immerzu korrekt und hier im Osten wird man auch stets mit einem "wat willste?" begrüsst. Hat irgendwie trotzdem seinen Charme. 🥰

UND nach jeder Baustelle auf der Autobahn - und davon gibt es reichlich - bedankt sich ein grüner Smiley für die Geduld und entschuldigt sich, dass man hier mal nicht mit 200km/h durchdüsen durfte.

06. Juni 2025 | 18:15 Uhr

So nun aber zu einem - und ich will es gar nicht Highlight unserer Reise nennen, denn das ist in so einem Zusammenhang definitiv das falsche Wort - absoluten Tiefpunkt der Menschlichen Geschichte und auch wenn es sehr eindrücklich war, zum für mich stimmungsmässigen Tiefpunkt seit sehr, sehr, sehr langer Zeit...

 !!  Triggerwarnung  !!

Der folgende Text behandelt das Thema Völkermord, Antisemitismus, Rassismus, Gewalt, Mord und Totschlag.
Der Bericht enthält eine oder mehrere Abbildungen von echten Menschen in Gefangenschaft. 

"Jedem das Seine" - in meiner Familie wird dieser Ausdruck in einem positiv gestimmten Kontext verwendet, analog zu "Jedem Tierchen sein Pläsierchen", also quasi jeder darf das tun und lassen, was ihm gefällt.

Als ich heute das weisse Eisentor ins ehemalige KZ Buchenwald durchschritt und diese Worte dabei gelesen habe, lief es mir eiskalt den Rücken runter und ich verspürte sofort ein Gefühl von Übelkeit und etwas anderem, dass ich auch viele Stunden später noch nicht richtig einordnen kann: Wut? Trauer? Angewidert sein? Irgend eine Mischung aus allem wird es wohl sein, wenn man realisiert, zu was der Mensch fähig sein kann.

Diese Worte - die hier negativ behaftet bedeuten: Jeder kriegt das was er verdient! - und dieser unendlich grosse leicht geneigte Platz, umzäunt mit Stacheldraht und wenn man den Kopf nach rechts dreht erblickt man ein Backsteingebäude mit einem riesigen Schornstein... das Krematorium.

Man schlendert durch die ehemaligen Gassen zwischen den abgebrannten Baracken und es ist alles einfach nur erdrückend. Jeder Kieselstein auf dem Weg, jede Tafel mit einer kurzen Beschreibung wo man sich gerade befindet, jeder Grenzstein auf welchem "Block Nr. XY" eingeritzt ist... alles schreit förmlich nach dem Tod und nach der Hölle auf Erden.

Um zur heutigen Gedenkstätte Buchenwald zu gelangen fährt man in der Stadt Weimar (D) einer kurvigen Strasse entlang auf einen kleinen Hügel. Die Strasse wirkt alt und ist zum Teil noch nicht asphaltiert, sondern aus Pflastersteinen oder Betonplatten gebaut. Sie trägt den Namen "Blutstrasse" und spätestens jetzt weiss man: Diese Strasse wurde von den Häftlingen selbst gebaut.

Wenn man dann beim Haupttor vom Lager angekommen ist und durch die ehemaligen Barracken läuft findet man überall kleinere oder grössere Denkmäler.
Auf dem Bild eines mit der Aufschrift:
"Zum Gedenken an die Sinti und Roma, die Opfer des NS-Völkermordes wurden"

Insgesamt waren  zwischen Juli 1937 und April 1945  etwa 277.800 Menschen aus 50 Ländern im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt...

Je weiter man durch das Lager schreitet, umso näher kommt man an den Standort vom ehemaligen "kleinen Lager". Dort wurde noch einmal ein separates Denkmal errichtet. Ohne irgendwas grossartig zu umschreiben, der Text der dort auf Deutsch, Polnisch, Russisch, Französisch, Englisch und Hebräisch steht:

"An dieser Stelle befand sich das berüchtigte "Kleine Lager". Vom Hauptlager durch einen Stacheldrahtzaun getrennt, hatten seine Insassen die grössten Qualen aller Buchenwaldhäftlinge zu erleiden. Das Kleine Lager wurde Ende 1942 eingerichtet. Seine ersten Insassen waren Polen, Russen, Franzosen und Holländer. Im Laufer der Jahre stieg die Anzahl der Juden im Kleinen Lager - unter ihnen auch Kinder, deren Eltern die Nazis ermordet hatten - so weit an, dass sie in der Mehrzahl waren. Ab Januar 1845 nannte man es "Judenlager". Die meisten dieser Juden waren aus Auschwitz und anderen Konzentrationslagern in Osteuropa nach Buchenwald gebracht worden. 1945 waren etwa 20'000 Menschen gleichzeitig im Kleinen Lager untergebracht, menschenunwürdige Zustände führten dazu, dass hier die höchste Sterblichkeit im gesamten Lager herrschte. Als Unterkünfte dienten fensterlose Pferdeställe ohne Fussboden, ursprünglich für 50 Pferde bestimmt, in denen zeitweise bis zu 2'000 Menschen zusammengepfercht wurden. Es gab kein fliessendes Wasser, keine sanitären Einrichtungen und kaum Heizung. Menche Häftlinge wohnten in Zelten. Das gesamte Gelände war von dickem Schlamm bedeckt. Die Lebensmittelrationen betrugen nur einen Bruchteil von denen im Hauptlager, oft gab es nicht einmal Trinkwasser. Da es nur eine Latrine gab, sahen sich viele Häftlinge gezwungen...

...ihr Essgeschirr auch als Nachttopf zu verwenden. Seit Anfang 1945 lag ständig der Gestank menschlicher Exkremente über dem Lager. Als immer mehr Menschen starben, blieben die Leichen im Freien liegen. Das Kleine Lager war ein Ort tiefster Verzweiflung für die Menschen, die man dorthin abgeschoben hatte und an Kälte, Hunger, Durst, erschöpfender Arbeit, brutaler Quälerei und Seuchen, die sich ständig ausbreiteten, zugrunde gehen liess. In den letzten Tagen vor der Befreiung wurden viele KZ-Häftlinge auf Todesmärsche und Eisenbahntransporte geschickt, bei denen Zehntausende starben. Mehr als die Hälfte der Selektierten kam aus dem Kleinen Lager. Nach der Befreiung wurde das Hauptlager erhalten und mit Denkmälern versehen. Das Kleine Lager vernachlässigte man, liess es mit Bäumen und Büschen zuwachsen. Bis 1990 kümmerte sich die ostdeutschen Behörden nicht um dieses Gelände. Einige Überlebende des Kleinen Lagers leben in den USA. Sie und ihre Nachkommen haben die Errichtung dieses Mahnmals unterstützt."

Den Abschluss unseres etwa 1.5h Rundgangs war der Besuch des Krematoriums. Ich weiss, das klingt vermutlich sehr komisch, aber ich finde jeder und jede von uns sollte einmal einen solchen Ort besucht haben.

Die sechs Öfen in Reih und Glied sind das eine, steht man dann aber noch im Keller vom Krematorium und sieht an die Decke, wo sich eine Schachtöffnung befindet, durch welche die Leichen in den Keller geworfen wurden, um dann per Warenlift in die Brennkammern transportiert zu werden.... in diesem Keller zu stehen fühlte sich grausam an.

Auf dem Bild erkennt man schwarze Haken. Davon gibt es im ganzen Keller über 20 Stück. Schätzungen zu folge wurden an diesen Haken über 1'100 Menschen erdrosselt, bevor man sie einfach verbrannte...

Bereits in frühen Jahren des Lagers gab es Leichensektionen. Hauptgrund war das Erstellen von formalen Protokollen, um die wahren Todesursachen zu verschleiern. Ab 1940 wurde dann das Zahngold herausgebrochen und  - Warnung: jetzt wird es richtig scheusslich! - die SS begann mit der Herstellung von Lampenschirmen und anderen Gegenständen aus Menschenhaut oder schrumpfe die Köpfe faustgross ein. Diese Miniaturköpfe wurden innerhalb der SS gerne als Geschenke verteilt...

Unglaublich widerwärtig, aber nun mal teil unserer Geschichte.

Nach dem Krematorium ging es noch an den Hundezwingern der SS vorbei, zurück zum Camper und nach knapp 2h weg von diesem eindrücklichen aber scheusslichen Zeugnis der menschlichen Boshaftigkeit...

08. Juni 2025 | 18:15 Uhr

Ei gude... die Hesse komme!

Wir sind in Hessen angekommen, genauer in der Nähe von Giessen (D). Ist das schön hier! Tolle Häuser, wunderschön hügelige Landschaft, nur das Wetter macht noch nicht ganz mit. Das soll für morgen aber besser werden, da steht ja unser zweites Treffen mit Freunden an.

Gestern war übrigens richtig schön und witzig.
Es gab lecker Würstchen vom Grill, Kartoffelsalat und wir wurden mit ganz vielen tollen Produkten aus dem Spreewald beschenkt. Unser Nahrungsmittelvorrat besteht nun aus 70% Gurken...
...entweder eingelegt in Essig klassisch, mit Dill oder mit Knoblauch, als Radler-Mische oder als Gurken-Senf. Gestern gab es sogar eine Gurkenlimonade. Das klingt erstmal komisch, schmeckt aber erstaunlich lecker!

Ausserdem wurde uns Fassbrause mitgebracht!
Was das ist? Ein Getränk mit Gerstenmalz, entwickelt durch einen Berliner Mediziner, der seinem Sohn etwas Bierähnliches zu trinken geben wollte, während er sich im Biergarten selbst das alkoholische Hopfengold in den Nacken kippte.

Schmeckt ziemlich süss, ganz lecker, nicht wirklich wie Bier, sieht auch nicht aus wie Bier. Lustigerweise hat es aber ein bisschen was vom Schweizer Nationalgetränk: Rivella.

Es folgen ein paar Bilder und weiter unten dann der zweite Beitrag von heute... der ist ziemlich unschön und vielleicht nicht für jedermann/jedefrau...

08. Juni 2025 | 18:15 Uhr