Hausboot Elsass
September 2024
Samstag 14.09.2024:
Erster Tag, Start in Hesse (F)
Am Samstag trafen wir ca. um 14 Uhr in Hesse (F) im schönen Elsass ein. Nach kurzer Wartezeit und einer Einführung über die Bedienung des Hausboots vom Modell Salsa durften wir auch schon "einbooten" und als alles eingeräumt und seinen Platz gefunden hatte, losfahren.
Urpsrünglich war eigentlich ein etwas kleineres Boot geplant, da dieses aber vor unserem Urlaub einen Schaden erlitten hatte, durften wir kostenlos ein grösseres Boot übernehmen. Das Modell Salsa bietet Platz für 8(+2) Personen. Da wir nur 5 Personen waren (Roland, seine Eltern und die jüngere Schwester mit Partner) hatten wir somit sogar ein Zimmer übrig und können dies als Stauraum nutzen.
Wir entschieden uns am ersten Tag eine kurze Strecke auf dem Rhein-Marne-Kanal zu fahren und in der Natur kurz vor der nächsten Ortschaft anzulegen und die Nacht dort zu verbringen.
Ehrlich gesagt... die erste Nacht war alles andere als toll...
Es war A*schkalt und alle 10 Minuten startete die Wasserpumpe, welche - wie wir später erfahren haben - besser über Nacht ausgeschaltet werden sollte.
Naja, das haben wir dann selbst auch festgestellt.
Unten seht ihr einige Bilder von der kurzen Strecke bis zu unserem ersten Halt und einige Bilder vom Innen- und Aussenraum unseres Bootes.
Ausserdem ein paar Bilder des Käpt'n Roland und des wichtigsten
Reisemitglieds: Glood (Claude) der Affe, im Rang eines Assistenzkäpt'n... es wissen aber alle, dass eigentlich er hier der Chef ist! 🐒
Sonntag, 15.09.2024:
Tunnel, Schiffshebewerk, erste Schleusen, Nacht in Lutzelbourg (F)
Der Morgen danach war schön, ein leichter Nebel hing über dem Kanal aber es war - man lese und staune - immer noch sehr kalt. Nachdem wir festgestellt haben, dass die Heizung nur nutzbar ist, wenn man am Strom angehängt ist oder der Motor läuft (also unterwegs oder in Häfen, nicht aber in der Pampa) entschloss Roland - zugegebenermassen etwas unorthodox - den Wohnbereich per Gasherd ein wenig erträglicher zu gestalten. Sicherlich nicht die optimale Lösung, aber bei 5°C Innentemperatur muss man halt kreativ werden.
Nach einem gemütlichen Frühstück ging es dann weiter in Richtung Lutzelbourg (F). Das hübsche Dörflein direkt am Kanal war unser heutiges Tagesziel.
Am wohl beeindruckendsten und erwähnenswertesten waren bei unserer heutigen Reise nicht etwa die beiden Tunnel (500m & 2400m), welche wir durchquerten - es war sehr eng, da die Tunnel kaum ein Meter breiter sind als das bei niedriger Geschwindigkeit nicht ganz einfach zu manövrierenden
Boot - und auch nicht die vier kleineren Schleusen, welche wir heute bewältigten, sondern das Schiffshebewerk in Arzviller (F).
Das Schiffshebewerk von Arzviller wurde 1969 in Betrieb genommen und ersetzte so auf einen Schlag 17 kleine Schleusen, welche sich zwar noch auf dem alten Kanalverlauf befinden, allerdings schon längst ausser Betrieb gesetzt wurden.
Ein paar Zahlen und Fakten zu diesem technischen Wahnsinn:
1 "Schiffstrog" à 41,50 m länge und 5,50 m breite, ca. 900(!) Tonnen Gewicht,
Wassertiefe 3,20 m, 44.56m Höhendifferenz, 41% Steigung.
Die Funktion könnte simpler kaum sein. An insgesamt 24 Stahlseilen sind zwei Gegengewichte aus Stahlbeton mit je rund 450 Tonnen befestigt und ziehen die Wanne über Wellen und Rollen nach oben. Oben angekommen können bis zu drei Schiffe ausfahren und drei neue einfahren.
Dann werden die Tore geschlossen und dem Trog wird über zwei Pumpen gerade so viel Wasser beigefügt, bis dieser schwerer ist als die Gegengewichte. Somit gleitet der Trog die knapp 45m nach unten und die Schiffe können nach wenigen Minuten wieder den Trog verlassen.
Wer mehr über dieses wirklich sehr beeindruckende und ein wenig grössenwahnsinnig erscheinende Bauwerk lesen will, dem empfehle ich folgende Website: Schiffshebewerk Arzviller (F)
Unterhalb des Hebewerks haben wir einen kurzen Mittagshalt gemacht und uns dann für den Rest der Strecke zusammen mit einem anderen "Schweizer" Boot durch die nächsten vier Schleusen begeben.
Früher waren viele dieser Schleusen bedient und man bezahlte die "Schleuser" mit einem kleinen Trinkgeld. Für die Schleuser kam dabei Ende Monat wohl selten ein grosses Gehalt raus, deshalb verkauften viele von ihnen ihre landwirtschaftlichen Produkte oder auch Honig oder sogar Wein.
Dieser Aspekt ging über die Jahre durch Halbautomatisierung der Schleusen leider etwas verloren, dafür kann man heute selbst Hand anlegen.
Das ist allerdings auch schon etwas sehr viel gesagt, das Einzige was man nämlich machen muss ist einfahren, Boot mit zwei Tauen an den Pollern in Position halten, einen Hebel betätigen und fertig. Die Tore schliessen sich heute automatisch, auch die Wasserzu- und abfuhr erfolgt per Steuerung völlig autonom. Früher musste man noch von Hand kurbeln und das Wasser per Klappen zu- oder ablassen (eine Knochenarbeit!). Wenige Augenblicke später hat man einige Meter an Höhe gewonnen, die Tore öffnen wieder automatisch und man kann ausfahren. Trotzdem finde ich gerade das "Schleusen" immer wieder ein Highlight.
Den Sonntag Abend verbrachten wir in Lutzelbourg (F), auf der Suche nach einem Restaurant wurden wir in dem 560 Seelendorf leider nicht fündig. Dann galt es halt das Backup zu verwerten: Zwei richtig schöne grosse Stücke vom Rind, Côte de Boeuf - also Entrecôte vom Rind, noch am Knochen - vom Grill. 19.90Euro/kg kostet hier das tolle Fleisch... in unserer Heimat bezahlt man locker das vierfache. Mehr zu dem tollen Abendessen findet ihr im Foodblog.
Nach ein paar entspannten Runden Kartenspiel legten wir uns alle hin und genossen die etwas weniger kalt, aber immer noch frische Nacht.
Am Montag war das Ziel: Saverne (F), eine Kleinstadt, rund 10 Schleusen weiter.
Unten seht ihr einige Bilder von dem kalten Morgen und dem hübschen Nebelchen über dem Kanal, den schier unendlich lang erscheinenden Tunneln und dem absolut beeindruckenden Schiffshebewerk.
Bilder von den Schleusen folgen wohl morgen noch genug!
Montag, 16.09.2024:
Schleusen, Schleusen, Schleusen... und das Städtchen Saverne (F)
Der nächste Morgen war bedeutend angenehmer, zumindest was die Temperatur angeht. Immer noch kühle, aber deutlich erträglichere 10°C betrug die Temperatur am Morgen. Als Wecker diente heute ein Presslufthammer von der Baustelle keine 20m neben unserem Anlegeplatz. Da es die Franzosen mit der Pünktlichkeit beim Arbeitsbeginn wohl etwas entspannter angehen, als wir in der Schweiz ging der Lärm aber erst um 07:30 Uhr los und da Pausen hier gross geschrieben werden, durften wir das Frühstück dann schon wieder in Ruhe geniessen. Die Käseauswahl hier im Elsass ist übrigens selbst für einen eingefleischten - oder eher eingekästen - Schweizer Käsefreund wie Roland der Wahnsinn.
Nachdem wir unseren Wassertank dann in Lutzelbourg (F) noch einmal auffüllen konnten, ging die Reise weiter. Durch insgesamt neun dieser teils über 100 Jahre alten "Wasserfahrstühle" durften wir uns an diesem Tag jeweils um einige Meter absenken lassen. Insgesamt kamen da rund 30 Höhenmeter abwärts zusammen.
Die "schwierigste" Schleuse war mit über 5m dann auch direkt vor dem Hafen in der Kleinstadt Saverne (F), zu Deutsch Zabern. Nach dem Mittag kamen wir in dem kleinen Hafen an und die nächste Herausforderung kam auf den Käpt'n zu: Rückwärts einparken mit einem in dieser Fahrtrichtung nur schwer zu manövrierenden Boot. Glücklicherweise klappte alles beim ersten mal reibungslos und es sah fast so aus, als wäre es bereits das 1000ste solche Manöver.... was ein Anfängerglück!
Angekommen in Saverne (F) durften wir erstmal feststellen, dass das geparkte Boot neben uns von zwei ehemaligen Arbeitskollegen des Partners von Rolands Schwester gechartert wurde. Wie sagt Rolands Mutter passenderweise immer gerne: Die Welt ist klein und die Schweiz ein Dorf... witzig, dass man ausgerechnet gefühlt immer im Urlaub Leute aus der unmittelbaren Umgebung trifft! Nach einem kurzen aber herzlichen Wiedersehen machten wir uns auf zum Einkaufen und um das hübsche Städtchen zu erkunden.
Eigentlich war geplant im "Taverne Katz" zu Abend zu essen... leider mussten wir feststellen, dass Restaurants in Frankreich wohl mit den ähnlichen Problemen wie bei uns in der Schweiz zu kämpfen haben:
Immer weniger Leute können oder wollen es sich leisten auswärts zu essen. Dies hat die Folge, dass viele Restaurants die Öffnungszeiten verkürzen und so war es auch hier... Montag und Mittwoch Ruhetag, ausgerechnet die beiden Tage, welche wir voraussichtlich hier verbringen werden.
Die Corona Pandemie in den Jahren 2020-2022 hat die Situation leider noch verschlimmert, da viele Arbeitnehmer in Restaurants während der Pandemie einen sichereren Job gesucht und in anderen Branchen gefunden haben. Personalmangel ist im Gastrogewerbe allgegenwärtig und somit sind die Öffnungszeiten oft nur noch sehr beschränkt.
Eine sehr traurige Tatsache! Das Restaurant "Taverne Katz" war in unserer Familie durch frühere Besuche während Urlauben im Elsass bereits bekannt und wir hatten uns alle sehr darauf gefreut...
Am Morgigen Dienstag soll es dann noch den letzten "Kanal-Abwärts-Tag" geben, bevor wir am Mittwoch bereits wieder den Heimweg antreten müssen.
Da wir morgen voraussichtlich wieder in der "Wildnis" anlegen werden und es da nicht ganz so viel zu erzählen gibt erwartet euch morgen ein spannender und hoffentlich etwas detaillierter Bericht zu den Schleusen. Es werden auch morgen noch einmal einige davon bewältigt werden.
Wir hatten vom Anlegeplatz im Hafen aus eine perfekte Sicht auf das
"Chateâu des Rohan" und liessen den Abend bei einem feinen Glas französischen Rotwein ausklingen...
Unten findet ihr nun einige Impressionen von der Reise von Lutzelbourg (F) nach Saverne (F). Von der Schleuse in Saverne, von dem hübschen Städtchen und insbesondere vom mit uralten und aufwändigen Schnitzerein verzierten "Taverne Katz".
Dienstag, 17.09.2024:
15 Schleusen und ein Spieleabend
Am Dienstag Morgen sind wir in Saverne (F) gestartet und hatten eine Strecke von rund 27km vor uns. Auf der Strecke heute erwarteten uns ganze 15 Schleusen und somit eine Höhendifferenz von insgesamt 37 Meter talwärts. Bei einem Boot, welches maximal 10km/h fährt, im Durchschnitt aber wohl eher mit 5km/h gerechnet werden kann (Schleusen, Engpässe, Häfen), eine doch ganz beachtliche Strecke.
Der Start war wie immer ziemlich ruhig, sobald wir uns dann aber ein wenig vom sicheren Hafen in Saverne (F) entfernten frischte der Wind auf. Bei voller Fahrtgeschwindigkeit vermag dies nicht unbedingt einen grossen Einfluss auf die Fahrdynamik zu haben. Allerdings muss vor den Schleusen oftmals einige Minuten gewartet werden. Da gibt es zwei Optionen: Am Ufer anlegen oder mitten auf dem Kanal "dümpeln" und warten, bis sich die Tore öffnen.
Wir entschieden uns meist für Letzteres, da ein Anlegen nicht lohnenswert erschien. Wenn allerdings der Seitenwind so stark wird, dass innert wenigen Sekunden das gesamte Boot in Richtung Ufer getrieben wird, kann das schonmal ein wenig abenteuerlich werden. Glücklicherweise ging aber alles ziemlich reibungslos und wir brachten die Strecke durch die wunderschönen Landschaften und die Schleusen ohne grössere Probleme hinter uns.
Wie versprochen gehen wir nun ein wenig auf die Schleusen an sich ein:
Grundsätzlich könnte das Prinzip nicht einfacher sein, und doch ist das Ganze völlig sicher, die Schleusen sind fast komplett Wartungsfrei und bestehen so schon über 100 Jahre.
Der für den Fahrer vermutlich schwierigste Part ist die Einfahrt. Diese und die Schleuse an sich ist kaum 1m breiter als das bei niedriger Geschwindigkeit und starkem Seitenwind nur schwer zu manövrierende Schiff. Da kann es schon einmal ein wenig knapp werden.
Ist man dann in der Schleuse drin wird beim Abwärts fahren ein "Matrose" nach draussen geschickt, nimmt die beiden Taue am Bug und am Heck entgegen, legt sie um die Poller und reicht das Ende vom Tau wieder aufs Boot zurück.
Ein grosser Fehler wäre dabei, das Boot festzubinden... Man kann sich ja ausmalen, was wohl geschehen würde, wenn der Wasserpegel innert Sekunden fast drei Meter abgesenkt wird und das Boot fix mit den Pollern oben verknotet wäre...
Durch die starken Strömungen in den Schleusen ist es von daher notwendig, dass immer zwei Leute auf Deck das Boot von Hand in Position halten, nicht aber festbinden. Übrigens ist in Schleusen das Tragen einer Schwimmweste Pflicht und aus unserer Sicht auch sehr sinnvoll. Gerade letztes Jahr sind wieder zwei Leute in einer Schleuse ertrunken, da sie von den starken Strudeln hinuntergezogen wurden, als sie in den Kanal gefallen sind.
Ist nun das Schiff über Bug und Heck an der einen Seite der Schleuse durch zwei Personen gesichert, kann derjenige, der auf der Schleusenmauer steht, den Auslöser betätigen. Dafür muss man heute nur noch einen blauen Hebel nach oben ziehen und der gesamte Vorgang startet.
Das Einfahrtstor oben schliesst sich langsam und innert wenigen Sekunden strömen tausende Liter Wasser per Klappen in den Toren aus der Schleuse in den unteren Kanal und die Schleusenkammer wird entleert.
Die Tore werden übrigens über Elektromotoren zu ca. 95% geschlossen, den Rest übernimmt dann der Wasserdruck. Sie sind so konstruiert, dass die Tore in einem stumpfen Winkel aufeinander liegen, es ist unmöglich, dass so ein Tor aufgeht, ohne dass es das tun soll, der Wasserdruck presst die beiden Flügel aus Stahl zu stark aneinander.
Abgedichtet wird nicht etwa mit Gummi oder ähnlichem sondern mit einem simplen Holzbalken. Durch den enormen Druck werden die beiden Holzbalken an der Schleusentür aneinander gedrückt und dichten den Spalt fast perfekt ab. Keine einzige Schleuse ist zu 100% Wasserdicht, da aber das Wasser so schnell abfliesst und nur wenige Liter "nachrinnen" spielt das absolut keine Rolle.
Ist der Schleusenvorgang abgeschlossen, also der Wasserpegel in der Schleusenkammer so weit abgesenkt, dass er diesen vom unteren Kanal erreicht, öffnet sich das untere Tor gegen innen (auch dieses verkeilt sich mit dem Wasserdruck), die Taue können gelöst werden und man kann langsam aus der engen Schleuse hinausfahren.
Das Ganze haben wir heute wie gesagt 15 mal wieder holt, meist waren wir alleine unterwegs. Weiter oben im Kanal waren wir oftmals zu zweit mit einem anderen Boot, heute mussten oder durften wir alles alleine machen.
Den Halteplatz für die Nacht haben wir dann in einem ehemaligen Anlegeplatz für Handelsschiffe verbracht. Da das Hafenbecken für unsere Art von Booten nicht freigegeben war übernachteten wir am anderen Ufer.
Hier gab es keine Poller und das Boot musste an zwei massiven Heringen, welche vorgängig in das Erdreich geschlagen wurden, festgebunden werden.
So verbrachten wir den Abend bei einer heiteren Runde "Scotland Yard", ein Brettspiel, bei dem vier Ermittler einen Dieb schnappen müssen.
Das Ganze - natürlich - bei einem guten Tropfen "Côte du Rhone".
Unten seht ihr zuerst zwei wunderschöne Bilder einer kleinen Baumallee, welche wir durchfahren haben. Danach beginnt der Schleusenvorgang:
Einfahrt in die Schleuse - Ausblick von oben nach vorne
Auslösehebel der Schleuse - Tor hinten schliesst sich
Schleuse senk sich ab
Darunter sind drei Bilder von Aussen und man erkennt gut, wie das Schiff immer mehr in der Schleusenkammer verschwindet.
Zuunterst dann drei Bilder von unserem Nachtlager und dem Spieleabend.
Mittwoch, 18.09.2024:
Der erste Wendepunkt und die Rückreise
Am Mittwoch Morgen ging es bereits wieder zurück Kanalaufwärts. Analog zum Dienstag hatten wir wieder 15 Schleusen und 27km Strecke vor uns. Diesmal ging es aber natürlich die Schleusen hinauf. Dies brachte eine neue Herausforderung:
Wie bindet man ein Boot an Pollern an, welche sich 3 Meter über einem befinden?
Pragmatisch, also typisch für meine Familie, wurde diese kleine Hürde bewältigt:
Ein "Crewmitglied" in diesem Falle Rolands Vater schwang sich aufs Rad und fuhr den Weg neben dem Kanal neben uns auf dem Boot her. So konnte er seine lang ersehnte Portion Sport geniessen und wir hatten stets jemanden oben in der Schleuse, welcher die Taue - welche nur noch hochgeworfen werden mussten - entgegennehmen, um den Poller fahren und wieder nach unten aufs Boot reichen.
Auf diese Weise konnten wir uns schwierige und vor allem für uns sehr ungewohnte und ungeübte Lassowürfe und unangenehmes Verkanten von Tauen an den teils grossen Steinkerben vermeiden.
Die Nacht verbrachten wir wiederum im Hafen von Saverne (F). Der Hafen war schon gut voll, als wir am späten Nachmittag dort eintrafen. Die vor Arbeitseifer und Motivation fast überschäumende Hafenwärterin geleitete uns dann an einen Platz, welcher eigentlich für Elektroboote gedachte wäre. Leider musste sie somit fast 100m zu Fuss zurücklegen und wir hatten ein wenig Mitleid....
Für die Kulinariker unter uns gab es dann Abends doch noch ein kleines Highlight, als wir im Restaurant "La Marne", direkt neben der grossen Schleuse in Saverne (F) zum Abendessen aufmarschierten.
Da in Saverne von den gefühlt 30 Restaurants gerade mal zwei Stück geöffnet waren, war das Lokal vollständig ausgebucht und wir konnten lediglich einen Tisch für den "Seconde Service" um 20:30 Uhr reservieren.
Die Zwischenzeit nutzten wir in einem nahegelegenen Café um ein kleines Aperitif zu geniessen. Als wir dann schon wirklich hungrig waren durften wir im La Marne Platz nehmen. Es sei so viel gesagt: Das Warten hat sich gelohnt!
Mehr dazu im Foodblog!
Am Nächsten Donnerstag sollte es dann weiter zurück Richtung Hesse (F) gehen, voraussichtlicher Halt: Lutzelbourg (F)
Unten noch einige Impressionen von der Rückfahrt, von mit Misteln besetzten Bäumen, den schier endlosen Mais- und Getreidefeldern, von unserem Fahrrad-Schleuser inkl. Flüssigbrot-Verpflegung und von einem hübschen Hotelschiff, welches in Saverne unseren Anlegeplatz versperrt hat... 😉
Donnerstag, 19.09.2024:
Von Saverne (F) nach Lutzelbourg (F)
Am Donnerstag Morgen machten wir uns nicht all zu früh auf und machten uns auf den Weg zurück Richtung Lutzelbourg (F), wo wir schon, die Nacht von Sonntag auf Montag verbracht haben.
Nach einem kurzen Einkauf legten wir ab und liefen aus dem wirklich gemütlichen Hafen von Saverne (F) aus. Die Fahrt wurde jedoch schon nach knapp 200m unterbrochen, da vor der grossen Schleuse im Eingang des Hafens ein kleiner Stau entstand. Wir waren offensichtlich nicht die Einzigen, welche diese Route abzufahren zu beabsichtigten.
Nach ungefähr 20 Minuten Wartezeit und zwei Schleus Vorgängen vor uns durften wir uns dann auch in die Kammer hinein begeben und standen einer kleinen Herausforderung gegenüber... Wie wirft man ein Tau fast sechs Meter in die Höhe, ohne das es oben jemand entgegen nehmen kann? (Die Schleuse von Saverne ist aus Sicherheitsgründen nämlich oben für Passanten völlig unzugänglich.)
Unsere Sorge, wie wir unser Boot in der Kammer in Position halten können erübrigte sich aber relativ schnell. Vor ein paar Jahren wurden nämlich innerhalb der Schleuse drei Eisenstangen über die gesamte Höhe eingelassen. Sprich man kann unten das Tau um die Stange legen und mit den steigenden Wasserpegel einfach mit nach oben gleiten lassen.
So überwanden wir auch dieses Hindernis und machten uns auf, Richtung Lützelbourg (F). Die Fahrt dahin war relativ unspektakulär, abgesehen von dem einen Boot vor uns, bei welchem der Käpt'n das Manövrieren noch nicht ganz soooo verinnerlicht hatte (wir haben uns teilweise etwas der Schadenfreude hingegeben) und einigen nervigen starken Windstössen, welche das Boot immer wieder vom Kurs abbringen wollten.
In Lutzelbourg (F) wurde dann von Chefkoch Roland das Abendessen gezaubert:
Entenbrust an Orangensosse mit Fondant Kartoffeln und Kürbis-Champignon Ragout. Mehr dazu findet ihr im Foodblog.
Unten die Ausfahrt aus Saverne (F), die dortige Schleuse, ein kleines "fliegendes" Mittagessen während der Fahrt und natürlich auch ein werbereifes Bild der täglichen flüssigen Verpflegung.
Freitag, 20.09.2024:
Der letzte wirkliche Reisetag auf dem Kanal
Heute lag eine besondere Strecke vor uns. Zum Einen weil wir heute fast bis zu unserem Starthafen in Hesse (F) zurückfahren wollten und zum Anderen weil wir auf diesem Weg wieder das beeindruckende Schiffshebewerk in Arzviller (F) und die beiden Tunnel von Arzviller (F) und Niderviller (F) überwinden bzw. durchfahren durften.
Das Schiffshebewerk passierten wir ohne Zwischenfälle, danach mussten wir vor den beiden Tunneln etwas warten. Dabei ist uns aufgefallen, dass es die Elsässer also zu Stande kriegen, eines der einfachsten Verkehrssymbole - eine Ampel - so zu beschriften und zu "erklären", dass wir ein wenig anzweifelten, was genau mit der Aussage "AM SHILD HALTEN FUR ERKENN UND WARTEN GRUNDLICHT" gemeint sein soll.
Nach einer guten Halbestunde Wartezeit und als die Schiffe aus der Gegenrichtung endlich auf unserer Seite aus dem Tunnel ausfuhren gings dann auch schon los. Im Gegensatz zum letzten Sonntag, als die Tunnel das erste mal durchfahren wurden, war das heute aber sehr viel entspannter. Die Fahrpraxis einer ganzen Woche machte sich offensichtlich bemerkbar und auch wenn der Tunnel mit 5.5m Breite nur etwas mehr als ein Meter breiter ist als unser Boot, lief das Ganze ziemlich problemlos.
Die Nacht verbrachten wir dann wiederum kurz vor Hesse an dem Naturanlegeplatz, wo wir schon von Samstag auf Sonntag genächtigt haben. Es wurde noch einmal ein einfaches aber leckeres Menu gezaubert - diesmal Penne Carbonara - und den Abend ließen wir mit Brettspielen und Kofferpacken ausklingen.
Unten ein Bild vom Aufstieg im Schiffshebewerk Arzwiller (F) und einige Impressionen vom 2.4km langen Tunnel von Arzviller (F) direkt danach.
Samstag, 21.09.2024:
Es geht wieder nach Hause
Heute war die Tagwache etwas früher angesetzt, da wir unser Boot bereits um 09:00 in Hesse (F) abgeben mussten. Die Wecker klingelten um 07:00 Uhr, Abfahrt war um 08:00 Uhr.
Ein letztes mal nahmen wir auf dem vom Morgentau klitschnassen Deck Platz und legten ab in Richtung Starthafen. Die rund 20 Minuten Fahrzeit waren zwar ziemlich frisch, aber mit der Morgenstimmung im Rücken auch wunderschön.
In Hesse galt es dann ein letztes Mal das Lieblingsmanöver des Käpt'ns durchzuführen: Rückwärts einparken.
Der Hafen von Hesse war bis auf zwei wirklich enge Anlegestellen komplett voll mit anderen Hausbooten, aber auch dieses mal klappte alles auf Anhieb und so waren wir wieder dort, wo wir vor einer Woche gestartet sind.
Anlegen, Ausladen, Ausbooten, Boot abgeben und ab nach Hause...naja fast...
Beim Versuch den Skoda von Roland aufzuschließen passiert beim Keyless-System erstmal nichts. Nachdem die Seitenabdeckung beim Türgriff mühsam abmontiert wurde und der Wagen an der Fahrertür per manuellem Notschlüssel geöffnet wurde, er sich hineinsetzte und den Wagen starten wollte, passiert auch erstmal... genau nichts.
Da solche Neuwagen offensichtlich nicht mehr über ein manuelles Zündschloss verfügen war dann erstmal Nachdenken angesagt.
Im Hafen bekamen wir glücklicherweise von einer Mitarbeiterin der Werft eine Ersatzbatterie, welche sie zufälligerweise dabei hatte. Roland wird wohl zukünftig auch so eine im Handschuhfach bei sich haben.
Mit der gewechselten Schlüsselbatterie waren wir dann guten Mutes und man startete den Wagen... also man versuchte es. Da aber die Schlüsselbatterie komplett leergeworden ist und der Schlüssel zu lange und zu weit weg vom Auto war erkannte dieses den Schlüssel nicht mehr.
In einem 20 Minütigen Telefonat mit einer Helpline wurden dann verschiedene Tipps gegeben "Halten Sie den Schlüssel an den Startknopf und versuchen Sie es nochmal... Drücken Sie mit dem Schlüssel selbst den Startknopf... mit jeder Ecke des Schlüssels..." Nichts funktionierte.
Dann der Durchbruch: "Legen Sie den Schlüssel in die Fahrerseitige Getränkehalterung" - Ich habe zwei Getränkehalter in der Mittelkonsole, die sind hintereinander, nicht nebeneinander - "Dann legen Sie den Schlüssel in die vordere Getränkehalterung und drücken Sie Start".
Das Auto sprang an... da hätte man ja auch gleich drauf kommen können, dass man den Schlüssel in die Getränkehalterung legen könnte und so das Auto starten.... logisch...
Naja, wie dem auch sei... Wir haben etwas über neue Autos gelernt und konnten dann doch um 09:30 Uhr den Hafen von Hesse (F) verlassen.
Wir konnten es nicht lassen und unterwegs noch einmal in einem Leclerc Supermarkt halt machen. Roland hat sich noch einmal drei schöne "Côte de Boeuf" - diesmal sogar noch günstiger, weil gerade im Angebot - und etwas von seinem Lieblingskäse, dem "Morbide" gekauft. Dazu zwei schöne Flaschen "Côte du Rhone" und etwas Räucherspeck. Alles zusammen: rund 56 Euro... In einem Schweizer Supermarkt vermutlich locker 200 Franken.
Nach einem "Frühstück" in der Gaststätte "zur goldenen Möwe" direkt beim Supermarkt - sehr zur Begeisterung von Roland, welcher ein grosser Fan von dieser amerikanischen Restaurantkette ist - fuhren wir dann endlich los in Richtung Schweizer Grenze.
Nach einem kurzen Pinkelhalt in Pratteln (CH) und einer grosszügigen Stauumfahrung vor Bern (CH) kamen wir um 14:15 Zuhause an und somit war dieser Urlaub auch schon wieder Geschichte.
Es war wieder einmal schön auf dem Hausboot. Erst etwas kalt, dann etwas warm, manchmal etwas anstrengend, aber insgesamt schön und voller Eindrücke und leckerem Essen.
Unten noch ein paar letzte Bilder vom Samstag Morgen und vom lecker Fleischi.