Dänemark
In Dänemark gab es erstmal viel Weg hinter uns zu bringen. An der Westküste angekommen verbrachten wir dann zwei Nächte an einem unserer Lieblingsplätze bisher.
Anschliessend ging es noch in ein Wikingermuseum und dann weiter südwärts. Endlich konnten wir uns mal wieder auf Deutsch mit den Einheimischen unterhalten in...
Einmal Dänemark mit allem...
...zum Mitnehmen, bitte!
Nach einem sehr fahrintensiven - oder teilweise leider auch stehintensiven - Tag, quer durch Dänemark, sind wir endlich an der Nordsee angekommen.
7h Unterwegs, davon 30 Minuten Pause und über eine Stunde Stau vor Malmö (S) wegen eines Unfalls.
Beruhigend und ärgerlich zugleich: Auch für die Schweden ist das Thema Rettungsgasse in etwa so kompliziert wie für viele Schweizer... MANN macht mich das immer "hässig wiene Moore", wenn der Bergungstruck bei jedem zweiten Auto die schiffsartige Hupe betätigen muss - obwohl das schon sehr potent klingt! - als ob das so schwer sein kann, einfach mal an den Rand zu fahren...
..naja, der Unfall passierte etwa 1.5h vorher, hoffen wir mal, dass Rettungswagen und andere Blaulichter schneller durchkamen.
Lassen wir das und sprechen lieber über die schönen Dinge heute. Wir sind nämlich an der wunderschönen Nordsee angekommen. Wir stehen auf einem schier endlos grossen Campingplatz inmitten der hügeligen Landschaft, direkt hinter den Sanddünen, welche uns vom Meer und vom starken Wind trennen.
Der Platz ist riesengross und hier stehen neben uns bestimmt noch 100 andere Fahrzeuge. Da aber alles nicht parzelliert ist und jeder wild verstreut irgendwo rumsteht, entsteht absolut kein Engegefühl, wie wir es von anderen Plätzen vielleicht eher kennen.
Man könnte meinen, wir hätten uns verfahren. Die Dame an der Rezeption sprach fast akzentfrei Deutsch. Beim obligaten Spaziergang über den Platz wurde auch sofort klar wieso. Ich glaube wir haben einen dänischen Wohnwagen gesehen, der Rest ist ausnahmslos Deutsch.
Sei es drum, schön ist es und die heutige Fahrt wurde durch drei Bauwerke vom gleichen Typ massgeblich geprägt: Brücken!
Die Øresundsbroen
Verbindet Malmö (S) und Kopenhagen (DK). Wir lösten bereits gestern ein Ticket, das macht es einfacher bei der Mautstelle: An die Schranke fahren, Kennzeichen wird erkannt, Schranke öffnet sich und fertig.
Die Überfahrt ist mit einem gerade mal 3.5t schweren Wohnmobil bei dem Seitenwind echt... spannend...
Aber es ist ein wirklich beeindruckendes Bauwerk, welches in einem Tunnel endet, der dann unter dem Meer bis in die dänische Hauptstadt führt.
Die Storebæltsbroen
Verbindet die dänischen Inseln Fyn und Sjælland und ist mit einer Gesamtlänge von 18km verdammt lang.
Sie ist zweigeteilt. Der von Osten herkommend erste Teil ist eine Hängebrücke, der zweite steht auf Betonpfeilern.
Den ersten Teil umfährt die Eisenbahn per Unterwassertunnel, auf dem zweiten Teil führt die Bahnstrecke direkt an der Strasse vorbei und wir haben hier endlich mal wieder einen richtigen Zug gesehen, der nicht nur aus zwei Loks bestand.
Die Ny Lillebæltsbroen
Verbindet die dänische Insel Fyn mit Jütland, dem Festland und ist im Vergleich zu den ersten beiden mit 1.7km Länge geradezu winzig.
Trotzdem war auch der Ausblick hier wahnsinnig schön. Grosse Frachtschiffe und ein toller Blick auf die Stadt Fredericia (DK). Klingt für mich zwar eher italienisch als dänisch, aber egal...
Es war auf jeden Fall die einzige mautfreie Brücke, da vermutlich bereits abbezahlt. Diese Brücke existiert nämlich schon seit 55 Jahren.
Den ersten Spaziergang - wobei es eher ein kleiner Kampf gegen die ziemlich steilen und sehr sandigen Dünen war - zum Strand haben wir bewältigt. Der Überblick von dort oben über den Strand, aber auch über das Landesinnere ist überwältigend.
Auf dem Weg hierhin fährt man übrigens durch ein altes - oder immer noch genutztes, ich weiss es nicht - militärisches Übungsgebiet mit Panzerpisten. Die Strasse ist eng und kurvig aber die ganzen verrosteten Panzersperren haben irgendwie ihren Reiz!
Momentan haben wir etwa 18°C und mässigen Wind, es ist bewölkt, aber die Sonne drückt ordentlich durch. Unterwegs hatten wir übrigens von sommerlichen 24°C bis Starkregen alles dabei!
Morgen - und da wird sich vor allem unser Freund Motu in Berlin ganz doll freuen - werden wir dann das lange versprochene Thema der Wikinger endlich aufgreifen.
Klingende Namen wie Ragnar Lothbrok, Ivar der Knochenlose, Sigurd Schlangenauge, Knut der Grosse oder Harald Blauzahn - nachdem übrigens das heutige Bluetooth benannt wurde, da er es schaffte Dänemark und Norwegen zu vereinen, quasi zu "koppeln" - stammen alle aus Dänemark.
Natürlich schauen wir auch nach Ostschweden, wo Rjurik herkam, der erste Herrscher in Nowgorod, im damals durch die schwedischen Wikinger neu besiedelten Teil des heutigen Russlands.
Auch die Geschichte vom norwegischen Entdecker Erik dem Roten, welcher als erster Mensch in Grönland war oder dem auf Island geborenen Leif Erikson, der - entgegen wie sogar ich es noch vor wenigen Jahren im Geschichtsunterricht gelernt habe - rund 500 Jahre vor Kolumbus den Fuss auf Amerikanischen Boden gesetzt hatte.
Ich merke bereits jetzt, das wird wieder eine Herausforderung, das alles halbwegs kompakt zusammenzufassen... ich freu mich!
Wir bleiben ja zwei Nächte hier, dann gibt es sonst vermutlich sowieso nicht all zu viel Neues zu erzählen. 😉
01. Juni 2025 | 19:20 Uhr
Wald, Steppe, Dünen & Pancakes...
Als allererstes:
Sorry an alle, die sich bereits auf den Wikingereintrag gefreut haben, der verschiebt sich noch um einen Tag.
1. ist das Internet hier dermassen sprunghaft, dass sich eine Recherche etwas mühsam gestaltet und alles aus dem Kopf zusammenreimen ohne Absicherung scheint mir ein wenig gewagt.
2. Wollen wir morgen auf der Durchfahrt das Wikingermuseum in Ribe (DK) besuchen und somit kann ich dort schonmal Stoff und Bilder für den Bericht sammeln.
An der Ostsee im nächsten Land ist das Internet dann sicher viel besser. Deutschland ist ja bekannt dafür, ein gut ausgebautes Netz zu haben... den Seitenhieb konnte ich mir nicht verkneifen, aber das wird schon hinhauen! 😉
Heute Abend wartet natürlich noch der obligatorische Sonnenuntergang auf uns, den kriegt ihr sicher auch noch zu Gesicht!
Wir haben am Vormittag einen etwa 6km langen Spaziergang landeinwärts unternommen.
Wir folgten der Strasse zurück, wo wir gestern hergekommen sind und bogen dann in einen Nadelwald ab.
Wir folgten den spärlich gesetzten gelben Pfeilen, landeten dann im Ödland zwischen Meer und Wald und schliesslich kamen wir - nach der Besichtigung eines alten Bunkers - wieder beim Campingplatz an. Man könnte meinen wir hätten es genau so geplant.
Es war auf jeden Fall sehr schön die Ruhe des Waldes und dann diese steppenartige Hügellandschaft zu durchstreifen.
Ich finde es ziemlich beeindruckend, wie hier überhaupt so viel wachsen kann, ist der Boden doch sehr trocken und sandig.
Neben der Rezeption haben wir heute auch noch eine traditionelle Wetterstation der Wikinger gesehen. Immerhin einen Wikingerteil haben wir heute also abgehakt... wenn auch mit einem sehr grossen Augenzwinkern! 😉
Beim Wohnmobil angekommen gab es dann leckere Pfirsich-Pancakes. Da wir in Schweden aus Versehen einen Liter Naturjoghurt anstatt Milch gekauft hatten, muss ich den ja irgendwie loswerden.
Dazu benötigt man nämlich nur:
1 Ei, 1 EL Zucker, 100 g Mehl, 1 TL Backpulver
3–4 EL Joghurt + etwas Wasser zum Verdünnen,
1–2 Pfirsiche (gewürfelt). Vermengen, in der Pfanne braten, mit Joghurt und mehr Pfirsiche toppen und geniessen!
02. Juni 2025 | 16:30 Uhr
No words needed...
02. Juni 2025 | 22:25 Uhr
Ein brutales und blutrünstiges Seefahrervolk...
...oder doch nur einfache Händler?
Wenn man an Wikinger denkt, fallen einem vor allem Äxte, gehörnte Helme, Drachenschiffe und blutrünstige Krieger ein. Doch stimmt das und woher kamen sie, wer waren sie und was taten sie?
Zuerst sei gesagt, verlässliche Quellen über dieses Volk gibt es eigentlich erst ab dem 9. oder 10. Jahrhundert. Alles was in der Anfangszeit der Wikinger (ab 793 n. Chr.) geschah, beruht mehr oder weniger auf Sagen und Mythen der nordischen Geschichtsschreibern, den Skalden. Ähnlich wie in der Bibel wird hier wohl einiges wahr und einiges nicht wissenschaftlich belegbar und/oder übertrieben dargestellt sein.
Somit ist es ein sehr weitläufiges und ausgesprochen spannendes Thema.
Ich versuche einige Aspekte und prägende Namen zu beleuchten.
Ganz grob gesagt kann man Wikinger wie folgt definieren:
Skandinavische Seefahrer aus dem heutigen Dänemark, Norwegen und Schweden.
Wie gesagt wird der Beginn der Wikingerzeit oft mit dem Jahr 793 n. Chr. in Verbindung gebracht. Damals überfiel nämlich erstmals eine Gruppe von Seefahrern einen Ort ausserhalb von Skandinavien, das Kloster Lindisfarne in Nordostengland.
Die Mönche im strengkatholische England waren überzeugt, dass Gott diese "heidnischen Barbaren" geschickt hatte, um sie für ihre Sünden bezahlen zu lassen.
In den Jahren danach häuften sich diese Überfälle, die Wikinger plünderten die gesamte Küste Englands und besonders die Kirchen und Klöster hatten reichlich Gold, Edelsteine und andere Schätze zu bieten. Ausserdem war es eine sehr leichte Beute... Mönche sind äusserst selten bewaffnet.
Bild: Klosterruine in Lindisfarne, England
Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lindisfarne
Doch die Wikinger waren nicht nur Plünderer, sie waren auch Händler, Siedler und Entdecker
Schnell wuchs aber auch unter den Wikingern der Wunsch, sich niederzulassen. Die fruchtbaren Böden in England würden auch für ihre Bauern sehr nützlich sein.
So begannen sie erst in England und dann auch in der Normandie - deshalb auch der Name, weil von Normannen besiedelt - im Frankenreich sesshaft zu werden.
Es entstanden viele Kriege und Bündnisse.
Oft mit den Franken gegen die Engländer oder umgekehrt, oder gegen andere Wikingerstämme.
Bild: Modellbau der ersten Wikingersiedlung in Ribe (DK), aufgenommen im Museum heute Vormittag.
Die Wikinger kamen erst als Händler und später auch als Söldner bis ins Byzantinische Reich (heutiges Griechenland & Türkei), da sie durch ihr gutes Kampfgeschick und vor allem der Angst vor einem NICHT-kämpferischen Tod berüchtigte Krieger waren.
Wenn ein Wikinger tapfer im Kampf stirbt, wird er – so glaubte man – von den Walküren auserwählt. Diese kriegerischen, göttlichen Frauen reiten auf geflügelten Pferden über das Schlachtfeld und bringen die gefallenen Helden nach Walhall, die Halle der Gefallenen, die Gott Odin selbst gehört.
Dort dürfen sie dann Tag für Tag mit ihrem Göttervater zusammen speisen, trinken und kämpfen. Der Traum eines jeden Wikingers.
Bild: Einzug in Walhall. Bildstein aus Gotland
Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Walhall
Im späten 10. Jahrhundert gründete der byzantinische Kaiser Basilios II. sogar die sogenannte Warägergarde, seine persönliche Elite-Leibgarde aus nordischen Földnern aus Schweden und Norwegen.
Diese kamen über Nowgorod im Osten über die Flüsse südwärts. Nowgorod? Das hatten wir doch schonmal, das liegt doch in Russland? Richtig und wurde von schwedischen Händlern gegründet.
Ein eben solcher Waräger aus Schweden, der als Begründer der Dynastie der Rurikiden gilt war Rjurik. Er wurde im 9. Jahrhundert Herrscher über Nowgorod in Russland und gilt als Gründer des altrussischen Staates, der Kiewer Rus.
Bild links: Statue auf dem 1862 errichteten Nationaldenkmal "Tausend Jahre Russland" in Nowgorod, abgebildet soll Rjurik sein
Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rjurik
Bild unten im Hintergrund: Ragnar Lothbrok in der Schlangengrube. Aus Hugo Hamilton (1830)
Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ragnar_Lodbrok
Andere berühmte Wikinger im Schnelldurchlauf:
Ragnar Lothbrok: Halb Legende, halb Realität – ein berühmter Wikingerkrieger und König, der laut den Sagas Paris und Northumbria überfiel. Er soll von einer Giftschlange getötet worden sein, nachdem er in England zum Tode verurteilt und in eine Grube geworfen wurde.
Ivar der Knochenlose (Ivar Ragnarsson): Sohn von Ragnar. Berüchtigt für seine Grausamkeit und Führer des Großen Heidnischen Heeres, das England im 9. Jahrhundert heimsuchte.
Björn Eisenseite (Björn Ragnarsson): Auch ein Sohn des Ragnar Lothbrok. Laut den Sagas war er fast unverwundbar, deshalb sein Beiname Eisenseite. Gilt als einer der ersten Wikinger die über den Atlantik das Mittelmeer erkundeten und dabei Spanien, Nordafrika und Italien plünderten.
Sigurd Schlangenauge (Sigurd Ragnarsson): Ein weiterer Sohn Ragnars – sein Name stammt von einer angeblichen Schlange in seinem Auge. Auch er war ein fähiger Krieger und Anführer in England.
Floki: Ein legendärer Entdecker aus den Isländersagas, der Island angeblich als Erster gezielt angesteuert hat.
Erik der Rote: Ein norwegischer Wikinger, der wegen Mordes aus Island verbannt wurde und daraufhin Grönland entdeckte und besiedelte. Sein Trick: Er nannte das unwirtliche Land „Grünland“, um Siedler zu ködern.
Leif Erikson: Sohn von Erik dem Roten. Er war noch ein Stück abenteuerlustiger und erreichte um das Jahr 1000 Vinland - das heutige Neufundland in Kanada – und war damit der erste Europäer in Amerika, lange vor Kolumbus. Dies ist durch archäologische Funde heute belegt.
Knut der Große: König von England, Dänemark und Norwegen – also ein echtes Nordseeimperium. Unter seiner Herrschaft wurde die Christianisierung der Wikinger zu Beginn des 11. Jahrhunderts endgültig gefestigt.
Zum Schluss wie immer ein paar Funfacts:
Wikinger trugen keine Hörnerhelme. Diese Erfindung stammt aus der Oper im 19. Jahrhundert.
Die Wikinger waren große Fans von Sauberkeit. Sie hatten sogar spezielle Kämme aus Rothirsch oder Rentiergeweih (Bild aus dem Wikingermuseum in Ribe heute Vormittag). Sie wuschen sich jede Woche und somit häufiger als die meisten Europäer ihrer Zeit.
Die Nordmänner nutzten Sonnensteine als Kompass. So sollen sie durch lichtbrechende Kristalle auch bei Wolken die Sonne geortet haben, quasi ein GPS des 9. Jahrhunderts.
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Das heute besuchte Städtchen Ribe (DK) war übrigens sehr schön. Sowohl das Museum - wo es allerdings fast ausschliesslich um die dort früher ansässigen Wikinger geht - als auch die Ortschaft an sich sind echt empfehlenswert.
Backsteinhäuser, alte Fachwerkbauten und die beeindruckende Ribe Domkirke laden zum flanieren und erkunden ein.
Wir sind unterdessen an der Ostsee in Deutschland angekommen. Wenige Kilometer von Eckenförde (D) entfernt stehen wir auf einem gemütlichen Stellplatz und geniessen das angenehme Wetter.
03. Juni 2025 | 18:30 Uhr