Norwegen
Der Wendepunkt unserer Reise: Das Nordkapp in Norwegen, ein atemberaubender Anblick!
Eine eiskalte stürmische Nacht und zwei Verlobungsringe später ging es an der Küste Norwegens südwärts.
Entlang endloser Fjorde verbrachten wir fünf Nächte und es ging dann weiter Landinwärts nach...
Spontane Planänderung...
Eigentlich war heute geplant bis nach Lakselv (N) zu fahren, ein Dorf am Polarmeer, rund 140km (Luftlinie) südlich des Nordkap (N).
Da wir um 09:30 Uhr losfuhren und nach 2h Fahrt bereits um 10:30 Uhr angekommen sind - die Zeitverschiebung wurde nämlich mit dem Grenzübertritt heute wieder aufgehoben - entschieden wir uns doch dafür, die restlichen knapp 3h Fahrt unter die Räder zu nehmen...
...kurzum: WIR SIND DA!
Angekommen am - eigentlich fälschlicherweise so genannten - nördlichsten Punkt des Europäischen Festlandes: Dem Nordkap (N)!
Fälschlicherweise, weil die Landzunge Knivskjiellodden (N), direkt daneben rund 1400m weiter in den Norden ragt. Ausserdem befinden wir uns hier bereits auf einer Insel, wie man unschwer erkennen kann wenn man einen knapp 7km langen Tunnel unter dem Meer entlang passieren muss.
Aber ja, man kann es vom Festland per Strasse erreichen und somit ist es seit der Fertigstellung des Nordkap Tunnelen 1999 der nördlichste vom Festland aus auf dem Straßenweg erreichbare Punkt Europas.
Ich sitze hier übrigens gerade mit Jacke und Schuhen am Tischlein im Camper und schreibe relativ zügig, weil...
A) Es hat hier drin noch gerade 10°C und wird nur noch kälter
B) Da wir keinen Strom haben, hat auch mein Laptop begrenzte Akkukapazität, also let's go!
Da das Internet nicht soo pralle ist hier, hoffe ich, ich schaffe den Beitrag in dieser Zeit...
Gottseidank hat Stéphi heute nur etwas über 200 Bilder gemacht, dann geht die Auswahl auch viel schneller als sonst...
...oder so.
Der Weg ans Nordkap (N) war der bisher mit Abstand beeindruckendste überhaupt. Direkt nach dem Grenzübergang ging es los.
Endlich mal wieder sowas wie Berge in Sicht und eine Übersicht über die Landschaft, die wir schon lange nicht mehr hatten. Riesige Wälder, Hügelige Landschaften, steile, fast schon passartige Strecken und unendlich grosse zugefrorene Seen und Flüsse!
Plötzlich entschied sich Spotify einen absoluten Ever-Green auszupacken und das Timing hätte nicht besser passen können.
Zu "The Final Countdown" von Europe kam das
Polarmeer in Sicht und wir fuhren nach Lakselv (N) weiter in Richtung Norden.
Einer schier endlos kurvige Strecke, den norwegischen Fjorden folgend, am Wasser entlang. Der Ausblick war trotz des eher bescheidenen Wetters der Hammer.
Diese Fischerdörfchen, Schiffe auf dem Wasser, Möwen in der Luft und Rentiere am Land.
Wer dann noch bis ans Nordkap fahren will, der muss sich das aber erst verdienen. Wahnwitzig steile Gefälle bzw. Steigungen - insbesondere im Nordkaptunnelen der unter dem Meer hindurchführt - und enge Passagen. Zum Schluss eine Passstrasse, deren Strassen definitiv schon bessere Zeiten erlebt haben und dann ist man da...
"Hier bin ich nun am Nordkap, am äußersten Punkt Finnmarks, und ich kann ohne Weiteres sagen am äußersten Punkt der Welt, denn weiter nördlich gibt es keinen von Menschen bewohnten Ort mehr."
Das sollen die Worte von Francesco Negri, einem italienischen Priester gewesen sein, der im Jahr 1664 als erster Tourist das Nordkap (N) besuchte. Und genau so fühlt man sich hier. Man schaut nach Norden und sieht einfach nur Wasser. Zwar ist der Nordpol noch etwas über 2000km weit weg, doch nördlich von hier gibt es faktisch nichts mehr.
An diesem Punkt zu stehen ist eindrücklich!
...und windig, vor allem windig!
Mehr will ich heute nicht sagen und lasse die Bilder für sich sprechen. Wir lesen uns - falls wir heute nicht erfrieren - morgen wieder!
Sonntag, 18. Mai 2025 | 16:20 Uhr
Bitte wenden...
Die Hoffnung mehr als gestern Nachmittag zu sehen, wenn man am Globus Richtung Norden schaut, starb bereits um Mitternacht.
Da sind wir nämlich extra nochmal raus, um dieses Phänomen der Mitternachtssonne zu erleben...
...naja, abgesehen von eisig kaltem Nieselregen und Windböen über 50km/h war das Motto eher: "Wie Sie sehen, sehen Sie nichts".
Nichts desto trotz:
Links auf dem Bild der Globus am Nordkap (N). Das Wahrzeichen dieses Ortes. Fotografiert um Mitternacht, dahinter erkennt man (nicht) die Weite des Polarmeers. ABER es war hell!
Wir begaben uns danach ins Bett und sind froh, dass wir dabei nicht erfroren sind und dass das Wohnmobil dem Wind stand hielt, für seekranke Menschen wäre das nämlich nichts erlebenswertes gewesen.
Unser "Pyjama" für letzte Nacht
- 2 Paar Socken und Unterwäsche
- Lange Thermounterhose und Thermoshirt
- Normales T-Shirt
- 2 Kaputzenpullover mit Kapuze
- 2 Bettdecken, 2 Kuscheldecken, 2 Wolldecken
Zugegeben, das war wohl mitunter eine der schlimmsten Nächte unseres Lebens. Der Wind brachte das Wohnmobil dauernd zum schwanken, es war eisig kalt und in der Garage (das Lager hinten im Camper) klang es, als würde ein sehr betrunkener Flötist versuchen mehr als drei verschiedene Töne aus seinem Instrument zu quietschen...
Ich habe vielleicht vier Stunden geschlafen, Stéphi gar nicht. So waren wir heute um 06:45 Uhr bereits auf den Beinen und haben uns gesagt: "Nichts wie weg hier!"
Die Rückfahrt war dann erst nicht weniger abenteuerlich. Dichter Nebel versperrte die Sicht und man sah nur wenige Meter weit, dazu nieselte es wieder und der Seitenwind half auch nicht unbedingt.
Kleine Anmerkung am Rand:
Wir hatten in den ersten drei Wochen unserer Reise erst einen richtigen Schlechtwettertag. Wir hatten also Glück und wollen mal nicht zu sehr jammern!
Nach den ersten 130km, die wir schon kannten, waren wir zurück in Olderfjord (N) und nahmen dieses mal die E6 weiter in Richtung Westen. Unser erstes Ziel: Alta (N), die nächstgrössere Siedlung, von der wir uns einen Supermarkt und ein wenig Wärme versprachen.
Unser Campingplatz heute liegt rund 80km westlich dieser Kleinstadt mit knapp 16'000 Einwohnern, direkt am Ufer eines der unzählbaren Fjorde Norwegens. Auf der Fahrt hierhin erlebten wir abermals so manchen Wow-Moment!
Die Strecke von Olderfjord (N) nach Alta (N) führt wie gesagt über die E6, sie ist mit mehr als 3000 Kilometern die längste durchgehende Straßenverbindung in Skandinavien. Sie beginnt in Trelleborg (S), führt durch Westschweden und nahezu ganz Norwegen und endet nahe der norwegischen Grenze zu Russland in Kirkenes (NR) an der Barentsee.
Auf unserem Streckenabschnitt passierten wir zwei Gebirgspässe, die im Winter oftmals gar nicht oder nur per Kolonnekjøring passierbar sind. Bei diesem Verfahren fährt ein Schneepflug vorne weg und eine Kollone aus Autos folgt ihm. Ursache hierfür ist in erster Linie nicht die Schneemenge an sich, sondern die Schneeverwehungen, die es unmöglich machen, eine Strasse dauerhaft zu räumen. Übrigens, die E6 ist vielerorts die einzige Strasse weit und breit. So kommt es, dass bei einem einzelnen Unfall bereits enorme Umwege gefahren werden müssen, teils sogar per Fähre.
Hier liegt übrigens auch Ende Mai teilweise noch meterweise Schnee und verwandelt die Hochebene in eine wahnsinnig schöne Winterlandschaft... zum Glück nur neben der Strasse.
Nach rund 3.5h Fahrt war es dann endlich soweit und wir konnten uns endlich etwas schnelles zu essen kaufen. Ich entschied mich für eine Art Sandwich: Baguetteähnliches Brot, gefüllt mit Rauchlachs und einer irgend etwas wie Rührei... klingt komisch, war aber saulecker!
Nach Alta (N) wurden dann die Strapazen der letzten Stunden so richtig belohnt!
Regen, Schnee oder Nebel...
...Hauptsache Wasser!
Heute sind wir von Alteidet (N) nach Skibotn (N) gefahren. Auf den knapp 200km haben wir wieder sehr viel schönes und spannendes gesehen, vor allem war es heute aber erneut kühl und nass.
Unser Campingplatz ist heute mal nicht direkt am Wasser, jedoch ganz nah dran.
Unser Nachbar hat hier sein Wohnmobil geparkt... sowas habe ich nie gesehen:
Ein teilintegriertes Modell von Bürstner mit Alkoven auf drei Achsen. Mit 8.86m ist dieser Koloss nochmal 1.40m länger als unser Camper. Dazu der Alkoven mit Doppelbett, sprich hinten haben die verdammt viel Platz! Und ich dachte wir haben mitunter das grösste teilintegrierte Teil, welches existiert... täuschen kann man sich! Ob dieser Titan auf kleinen Strassen angenehm zu fahren und/oder zu manövrieren ist, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Im Übrigen hatten wir heute ganz in der Nähe unseres Stellplatzes schon Besuch von einem süssen kleinen Nager, siehe Foto unten! 😉
Auf dem Weg heute fuhren wir wieder grösstenteils am Wasser entlang, durch die verschiedenen Fjorde Norwegens. Leider war die Sicht, insbesondere nach oben, etwas durch den Nebel eingeschränkt.
Einmal fuhren wir an einer Krabbenzucht vorbei, wo sie gerade per Kran auf einem Schiff ein Netz hochholten. Ein anderes mal erblickten wir einen kleinen hübschen Hafen und dann ging es noch einmal über einen schneebedeckten Bergpass.
Den Mittagshalt machten wir heute direkt am Meer, an einem von vielen Picknickplätzen an der E6. Zugegeben, die Norweger wissen, wo sie ihre Rastplätze bauen müssen!
Es gab leckeren Nudel-Blumenkohl-Speck Auflauf von gestern aus dem Omnia-Backofen. Dazu ein perfekter Blick aufs Wasser und die andere Seite des Fjordes. Um draussen zu essen war es dann aber mit 3°C doch ein wenig zu kühl.
Weiter ging es noch einmal an einem riesigen zugefrorenen See vorbei, dem Ákšovuonjávri. Dann war es auch nicht mehr weit nach Skibotn (N), ein Dorf mit rund 540 Einwohnern.
Von hier aus wären es noch knappe 120km in Richtung Osten bis nach Tromsø (N), der mit rund 42'000 Einwohner grössten Stadt in Nordnorwegen.
Morgen soll es aber nicht nach Tromsø (N), sondern weiter südwärts in die Hafenstadt Narvik (N) gehen. Mit 14'000 Einwohnern immer noch gross genug, um wieder einkaufen zu können und mal wieder vollzutanken...
...ich bin zwar immer noch jedes Mal geschockt, wenn ich in Währungen, wie hier den Norwegischen Kronen, etwas bezahlen soll!
Ein kleiner Vergleich der in den bisher besuchten Ländern gebräuchlichen Währungen, als Beispiel einmal mit Diesel volltanken = rund 145 CHF.
Ungarische Forint: 62'317 HUF
Tschechische Kronen: 3'856 CZK
Polnische Zloty: 657 PLN
Norwegische Kronen: 1'793 NOK
Ja, es war schon schockierender als hier... 😁
Morgen darf ein Besuch im Narvik Krigsmuseum natürlich nicht fehlen. Ein Museum, welches sich - wie der Name unschwer erkennen lässt - Kriegen und deren Folgen widmet. Ein Schwerpunkt ist die Zeit von 1940 bis 1945, als Norwegen unter deutscher Besatzung litt.
Die Geschichte Norwegens bis 1905 ist zwar sehr umfangreich aber einigermassen unattraktiv. Norwegen hatte als Land selten Konflikte mit anderen Ländern. Darum eine Ultrakurzzusammenfassung und nach dem Besuch im Museum morgen, werde ich vermutlich noch etwas über die Neuzeit erzählen:
- 10'000 v. Chr: Erste Jäger und Sammler
- 8. Jahrhundert: Start der Wikingerzeit* & Mittelalter unter verschiedenen Stammesführern, Königen und Anführern wie Harald Hårfagre, Harald Blauzahn, Sven Gabelbart, Erik Magnusson...
- Kalmarer Union mit Schweden & Dänemark (1397–1523)
- Union mit Dänemark (1523–1814)
- Union mit Schweden (1814–1905)
*mehr zur Wikingerzeit will und werde ich spätestens in Dänemark erzählen.
20. Mai 2025 | 15:45 Uhr
Wir tauschen Gewehre und Kanonen gegen Pelze...
Was sich zuerst wie ein Angebot eines US-Marshalls einem Indianer gegenüber anhört, ist gelebte Spontanität beim Reisen.
Eigentlich war heute der Besuch von Narvik (N) und dessen Kriegsmuseum vorgesehen. Da wir kurz vor Fossbakken (N) aber einem Schild am Strassenrand mit der Aufschrift "Polarpark" begegneten und jemand von uns beiden bei flauschigen Vierbeinern immer ganz hibbelig wird, haben wir uns dazu entschieden hier einen Halt einzubauen.
Im Polarpark kann man nämlich die hier ansässigen Wildtiere bewundern. Im Gegensatz zu vielen anderen Zoos, sind die Gehege wirklich riesig und man muss einen ordentlichen Rundgang absolvieren.
Zu sehen gibt - oder gäbe - es: Hirsch, Elch, Luchs, Wolf, Bär, Polarfuchs, Rentier und Moschusochsen.
Gäbe weil, naja sagt mir ehrlich, hat schon jemals ein Mensch einen lebendigen Luchs gesehen? Ich auf jeden Fall noch nicht... und ich war schon in vielen Zoos. Diese Gehege gleichen für mich immer eher einer Ausstellung für Landschaftsgärtnerei. Selbes galt leider für die Wölfe.
Trotzdem war es schön und eindrücklich. Das Highlight waren für uns die wirklich super niedlichen und überhaupt nicht scheuen Polarfüchse.
Zuvor ging es abermals über einen verschneiten Bergpass und durch kurvige steile Streckenabschnitte.
Die Talfahrt hat dieses mal aber endgültig den Vogel abgeschossen!
Man bog um die Kurve und sah unten im Tal ein kleines Dorf am Ende des Fjords, dahinter verschneite Berge und im Allgemeinen einen absolut tollen Ausblick.
Leider ist es hier ein wenig wie in Finnland. An jeder Strasse stehen dicht an dicht Birken und anderes Gewächs. Unter diesen Umständen ein gutes Bild zu schiessen ist für Fotografin Stéphi oftmals nicht ganz so einfach.
Trotzdem ist es glaube ich ganz gut gelungen und es ist definitiv eines meiner liebsten bisher!
Auffällig ist hier in Narvik (N) - immerhin doch noch 220km nördlich des Polarkreises - es wird immer grüner und saftiger. Die Laubbäume haben bereits wieder so etwas ähnliches wie Laub und das Gras ist nicht nur blassgelblich braun.
Und ja wir sind natürlich doch noch nach Narvik (N) gefahren und sogar noch etwa 40km weiter. Die Stellplatzsuche in direkter Nähe ist nämlich nicht ganz so einfach, wenn man Strom und seine Ruhe möchte.
Morgen geht es also wieder zurück ins Museum und dann auf der E10 in Richtung Schweden. Dort wird es einen Halt im Landesinneren geben, bevor wir dann ab Freitag dem Westufer - das Ostufer kennen wir ja bereits seit den Tagen in Finnland - des Botnischen Meeresbusen entlang in Richtung Süden fahren.
Kurz vor Narvik (N) steht seit 2018 die zweitlängste Brücke Norwegens, die Hålogalandsbrua, eine 1533m lange Hängebrücke, welche den Rombaksfjord an seiner Mündung in den Ofotfjord - welcher dann weiter westlich in den buchtartigen Vestfjord mündet - überquert.
Wie viele solche Bauwerke hier ist sie zeitbegrenzt Mautpflichtig. So holen die Norweger nämlich die Baukosten von rund 3.8 Milliarden NOK, also umgerechnet ca. 310 Millionen CHF, wieder rein.
Bezahlt wird nicht an einem Schalter, sondern eine Kamera liest das Nummernschild aus und die Rechnung in Höhe von rund 90NOK also etwa 7.30CHF für Fahrzeuge unter 3.5t wird per Post an den Halter versendet.
Morgen geht es also zurück über die Brücke. Heute nahmen wir noch die 15 Minuten Umweg über die alte Route, dem Ufer des Rombaksfjord entlang, in Kauf.
Unser Campingplatz liegt heute direkt an der Spitze eines kleinen Nebenfjords des Ofotfjord. Ja es gibt eben auch Fjorde in Fjorden in Fjorden in Fjorden in...
Unser Ausblick ist traumhaft, die Sonne scheint endlich mal wieder etwas stärker und trotzdem ist es recht frisch mit der steifen Briese hier.
Ein absolutes Highlight: Die Sanitären Anlagen!
Eigentlich für einen Campingplatz schon fast zu schön und neu. Wobei wenn man sich jeweils die Kommentare bei Park4Night ansieht, könnte man meinen, dass einige Leute - auffälligerweise besonders oft die Deutschen Camperfreunde - vielleicht beim nächsten Mal doch ins 5-Sterne Hotel gehen sollten. Die fühlen sich hier sicher wohl!
Also was da manchmal bemängelt wird...
Entweder man geht halt Campen oder man lässt es bleiben. Genauso unbegreiflich - zumindest für mich - wie die Leute, die sich einen Wohnwagen irgendwo hin pflanzen und den komplett zum Haus umbauen. Dann stell dir eben ein Bungalow hin. Ohne jemandem auf den Schlipps zu treten, das hat für mich nichts mehr mit Camping zu tun.
Vorzelt klar, wieso nicht, meinetwegen auch noch ein kleines Gärtchen und gut ist... naja, jeder wie er mag! 🙃
Dazu unten auch noch ein Beispiel vom gestrigen Platz in den Bildern. Und zum Schluss ein heute gesichtetes Meisterwerk eines mit Air-Brush verzierten finnischen LKW's.
21. Mai 2025 | 17:20 Uhr
When is a war won...?
Da wir heute den letzten sehr eindrücklichen Tag in Norwegen hatten und den ersten in Schweden haben, werde ich heute zwei Beiträge verfassen. Erst Norwegen, später heute Abend Schweden...
Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 6°C sind wir heute aufgestanden. Das klingt erstmal nicht sehr warm, aber wir hatten fast gar keinen Wind und somit fühlte es sich massiv wärmer an.
Nach einer erfrischenden Morgendusche in den gestern noch gelobten Sanitäreinrichtungen - der Wasserstrahl der Dusche glich in etwa dem Tröpfeln eines abgeklemmten Gartenschlauches - machten wir uns auf den Weg zurück nach Narvik (N).
Dort gibt es seit kurzem einen Wohnmobilparkplatz mitten in der Stadt und ich finde man sollte in der Schweiz das bezahlsystem gleich mal flächendeckend übernehmen:
EC-Karte einschieben, Barriere öffnet sich, einfahren.
EC-Karte einschieben, Code eingeben, Barriere öffnet sich, ausfahren. Kosten werden stündlich mit 35NOK (Fr. 2.80.-) berechnet und fertig. Kein Ticket, kein zum Automat rennen, nichts. Weil einfach einfach einfach ist.
Vom Parkplatz aus ging es zu Fuss wenige Minuten zum Narvik Krigsmuseum (und ja das schreibt man wirklich ohne 'ie' auf norwegisch).
Das Museum widmet sich wie schon gesagt Kriegen im Allgemeinen und dessen Folgen, beziehungsweise der Frage: Was ist eigentlich Krieg, wo fängt der an, was bedeutet er und was sind seine Folgen. Ein grosser Schwerpunkt bietet eine spannende Ausstellung mit vielen originalen Exponaten von Tagebüchern, Waffensystemen, Gerätschaften, Uniformen und Geschichten aus dem im zweiten Weltkrieg von Nazi-Deutschland besetzten Norwegen.
Insbesondere die Seeschlacht um Narvik wird detailliert beleuchtet und natürlich die Schicksale zahlloser Norwegischer Geschäftsmänner, welche unter deutscher Besetzung vor die Wahl gestellt wurden: Kooperiert, verdient gutes Geld und begeht somit Landesverrat oder verendet elendig in einem Arbeitslager...
Bild: Scheinwerferanlage zur Luftüberwachung von 1940
Ein paar Zahlen und Fakten:
Der Überfall auf das neutrale Norwegen begann am 9. April 1940 wobei die Norweger 62 Tage Widerstand leisteten, länger als jedes andere bis dato von Deutschland überfallene Land im zweiten Weltkrieg (mit Ausnahme von Frankreich).
König Haakon VII. und Kronprinz Olaf, später selbst König Olav V. verliessen am 7. Juni 1940 zusammen mit der Regierung und den Goldreserven der Zentralbank die Kriegshauptstadt Tromsø und gingen geschlossen nach Grossbritannien. 3 Tage später, am 10. Juni 1940 erfolgte die Kapitulation der norwegischen Armee gegenüber der Wehrmacht. Daraufhin folgten 5 lange Jahre Besetzung durch Nazi-Deutschland.
Von etwa 2.100 Juden in Norwegen wurden 772 deportiert. Die meisten von ihnen wurden in Auschwitz ermordet.
Die gesamte Wirtschaft wurde auf Kriegsversorgung Deutschlands umgedreht und so wurden im Jahr 1943 über 96% des in norwegen gefangen Fischs nach Deutschland und an die Fronten exportiert. Zu dieser Zeit war Fisch für Norweger nur teuer auf dem Schwarzmarkt zu kaufen.
Da 1940 in Nordnorwegen noch kaum Strassen gebaut wurden - das meiste wurde auf dem Wasserweg transportiert - liessen die Deutschen tausende Kriegsgefangene nach Norwegen verlegen, welche dort neue Strassen und Eisenbahnstrecken bauen sollten.
Bild: Deutsche Panzerabwehrkanone Rheinmetal PAK 36
Im Verlaufe der Besetzung wurden über 2'000'000 Ostarbeiter in Norwegen eingesetzt um sämtliche arbeiten für die Deutsche Kriegsmaschinerie auszurichten. Am Höhepunkt der Besatzung waren in Norwegen rund 450'000 Deutsche Soldaten stationiert. Jeder 6. Mann in Norwegen war also Deutscher.
15km Südöstlich von Narvik (N) übernahmen die Nazis das Beisfjord Gefängnis und bauten es zu einem Arbeitslager für Kriegsgefangene um. Mit rund 900 aus Jugoslawien stammenden Häftlingen betraten sie am 24. Juni 1942 das Lager und teilten ihnen mit: "Ihr seid hier um zu arbeiten und um hier zu sterben".
Das Lager wurde durch ein trauriges Massaker bekannt: Am 18. Juli 1942 wurden in der Nacht 287 kranke Häftlinge erschossen. Es war das grösste Massaker an Kriegsgefangenen in ganz Norwegen. Bis Ende Mai 1945 kamen hier über 2'500 Häflinge an, überlebt haben nur die wenigsten.
Bild: Modell des Beisfjord-Lager für Kriegsgefangene
Vielleicht hat schonmal jemand von dem Namen Quisling gehört, Sinnbild für Verräter und Kollaborateur. Der Führer der norwegischen faschistischen Partei Nasjonal Samling, Vidkun Quisling nutzte das durch die deutschen gestiftete Chaos für einen Putsch.
Am 9. April 1940 verkündete er das erste mal in der Geschichte per Nachrichtensendung im Radio die Regierungsübernahme Norwegens durch seine Partei. Die war im Übrigen genau gleich antidemokratisch aufgebaut wie die NSDAP in Deutschland und Quisling war ihr oberster Fører (Führer).
Obwohl er ein fanatischer Fan von Adolf Hitler war und ihn im Jahr davor schon besucht hatte, hielt ihn jener für schlichtweg unnütz. So kam es, dass er wenige Tage später durch Reichskommissar Josef Terboven einfach ersetzt wurde.
Dennoch schaffte er es noch zum Ministerpräsident der von 1942 bis 1945 eingesetzten Marionettenregierung Norwegens.
Als der Krieg gewonnen war, wurde Vidkum Quisling 1945 wegen Hochverrats in Oslo hingerichtet. Die Todesstrafe wurde übrigens in Norwegen erst während dem Krieg von der Exilregierung wieder eingeführt, wo sie eigentlich seit 1902 abgeschafft wurde.
Im Museum wird anschliessend die Frage thematisiert:
"When is a war won?" - Wann ist ein Krieg gewonnen? Um uns eine 34 seitigen Philosophie-Monolg zu ersparen, lasse ich die Frage hier aber einfach so im Raum stehen...
Bild: Hotchkiss H39 Panzer der Franzosen | in der Schlacht um Narvik eingesetzt (bitte fragt mich nicht, was die mit dem 3.7cm Geschütz angestellt haben...)
Nach dem Museum fuhren wir ausgangs Narvik (N) an einem deutschen Soldatenfriedhof vorbei. Natürlich konnte ich den nicht einfach passieren, sondern wollte mir den noch ansehen.
1'474 tote Deutsche Soldaten ruhen hier, die meisten starben im Alter um die 20 Jahre, viele haben keine Namen, viele wurden nicht identifiziert.
Im Kampf um Norwegen starben über 10'000 Norweger und fast zweieinhalb mal so viele deutsche Soldaten. Mehr als 10% davon auf hoher See, verschollen, vermisst und nie gefunden oder geborgen. Für nichts und nichts und nochmal nichts...
Wir überquerten nach dem Besuch des Friedhofs die Hålogalandsbrua und bogen nach rechts ab in Richtung E10, in Richtung Schweden. Über einen riesigen Bergpass - erreichten wir schliesslich unser heutiges Ziel... davon später mehr!
22. Mai 2025 | 17:35 Uhr