Tschechien
Das erste mal Starkregen, doch der Tag in Tschechien war trotzdem schön.
Die erste Woche war bereits geschafft und es ging weiter in die...
Ein Land voller Geschichte, Tradition und dem höchsten Bierkonsum pro Kopf der Welt.
Heute ging es für mich das dritte und für Stéphi das erste Mal in die Tschechische Republik. Beim ersten mal war ich mit dem Musikschul-Orchester in der Nähe von Budějovice (CZ) zu Deutsch Budweis und beim zweiten Mal war es eine Durchfahrt in der Region Plzeň (CZ) / Karlovy Vary (CZ) zu Deutsch Pilsen / Karlsbad ebenfalls im Wohnmobil mit der Familie auf der Reise über Ostdeutschland nach Dänemark.
Heute ging es aber ganz im Südosten durchs Land, in der geschichtsträchtigen Region Morava oder zu Deutsch Mähren.
Ein "kleiner" historischer Überblick über das Gebiet Mähren gibt's weiter unten für diejenigen, die das - genau so wie mich - brennend interessiert.
Jetzt aber zur Gegenwart: Wir waren heute - mal wieder - überrascht wie gut die Strassen hier sind. Ich erinnere mich an eine Konversation zwischen meiner Mutter und mir das letzte mal in Tschechien beim Überqueren eines Bahnübergangs:
Rumpel - Polter -Klirr -Bing
Mama: "Spinnst du? Fahr langsamer, die Karre fällt gleich auseinander!!!"
Ich: "Steig aus und schieb, weniger als Schritttempo geht nicht!"
Nun... hier war es anders, wobei die Bahnübergänge teilweise schon ein kleines bisschen uneben waren, aber es ging!
Ansonsten, was gibt es über Tschechien zu sagen...?
Die Landschaft sieht hier ein wenig aus wie bei uns zu Hause, nur grösser, weiter und es wirkt alles irgendwie ruhiger.
Manch ehrwürdiges Haus steht am Strassenrand, Häuser die hundert Jahre alt sind und früher oftmals Fabriken oder Geschäfte beheimateten.
Doch vor allem ist hier sehr viel nichts. Nicht nichts im Sinne von Leere, sondern nichts im Sinne von Natur, Ackerland und Wälder. Und was die Österreicher an Windkraft aufgebaut haben, haben die Tschechen hier mit Solarparks getan. Hektargrosse Flächen mit Solarpannels - ich unterlasse heute mal die Rechnerei - prägen manche Landstriche.
Unser Campingplatz ist heute auch wieder gefühlt "Am Arsch der Heide" und das Einzige was man hier hört sind die zwitschernden Vögel, das rauschen eines Bachs und unser Nachbar, der sich hier in seinem hölzernen "Wohnwagen" fast schon ein Leben als Einsiedler aufgebaut hat und seine Pfeife stopft.
Und ja die Tschechen sind Weltmeister im Biertrinken. Es ist Samstag und die Wohnmobile hier fast ausschliesslich Tschechischer Herkunft. Ratet mal, was die machen...
...richtig: ums Lagerfeuer herum sitzen, Bierchen trinken, plaudern, lachen und die Freizeit geniessen.
Eine Studie aus dem Jahr 2014 berichtet über den Bierkonsum in Litern pro Kopf und Jahr:
Tschechien: 144 Liter - und da sind Säuglinge und Greise und Antialkoholiker - falls es hier sowas gibt - mit eingerechnet.
Zum Vergleich auf dem weltweiten Platz zwei: Deutschland mit "gerademal" 107 Liter. Da können wir Schweizer aber noch lange nicht mithalten, gut die Hälfte der Deutschen, nämlich 56 Liter Bier pro Kopf werden bei uns im Jahr getrunken.
Ich muss mich etwas beeilen, denn es fängt tatsächlich an zu Regnen (das erste mal überhaupt seit unserer Abfahrt) und es sind 23mm Regen gemeldet, also eine ganze Menge, und ich sitze hier noch draussen.
Zum Schluss wie versprochen, den historischen Überblick über die Region Mähren...
... und dann die Bilder!
03. Mai 2025 | 16:15 Uhr
Die "kleine" Historie Mährens:
bis 60 v. Chr.: Keltische Boier besiedeln das Land
bis 172 n. Chr.: Die Römer unterwerfen die Nachfolger der Kelten: die Sarmaten, Markomannen und Quaden.
ab ~600 n. Chr.: Slawische Mährer besiedeln die Region
ab ~800 n. Chr.: Teile des heutigen Mähren, Teile der Slowakei und später auch Teile Niederösterreichs werden durch Karl den Grossen zum Mährischen Fürstentum
833 n. Chr.: Heutige Slowakei und Teile Ungarns werden erobert und es entsteht das Reich Grossmähren
863 n. Chr.: Wird auf Geheiss vom mährischen Herrscher Rastislav das Christentum durch zwei byzantinische Mönche eingeführt
907 n.Chr.: Niederlage gegen vordringende Ungaren. Slowakei wird in das ungarische Fürstentum, (später Königreich) eingegliedert.
955 n. Chr.: Mähren wird unter böhmische Oberhoheit gestellt.
999 n. Chr.: Mähren wird für 20 Jahre von Polens Herrscher Boleslaw Chrobry regiert ehe es...
1031 n. Chr.: ...endgültig Böhmisch wird.
Danach wird es etwas komplizierter, da in dieser Zeit in ganz Europa diverse Konflikte (meist zwischen Katholiken und anderen Glaubensrichtungen) wüten und geschlossene und gebrochene Bündnisse (oft durch Heirat nicht einmal angrenzender Reiche) das Ganze sehr unübersichtlich machen.
Grundsätzlich kann man folgende Herrscher nennen, welche bis ins 16. Jahrhundert mehr oder weniger grösseren Einfluss und Macht in Mähren ausübten:
- Markgraf Jobst von Mähren
- Kaiser Sigismund von Luxemburg
- König Ladislaus Postumus von Böhmen (Habsburger)
- König Matthias Corvinus von Ungarn
- Vladislav II. Jagellonský von Böhmen und Ungarn
In der Schlacht bei Mohács (1526) gegen die Osmanen ertrank Ludwig II (der Nachfolger von Vladislav II.) in einem Fluss. Durch die vorher geschlossenen Verträge ging gesamte Gebiet Mährens an das Haus Habsburg. Erst im Jahr 1876 bildete die Markschaft Mähren im Kaisertum Österreich bzw. in der westlichen Reichshälfte Österreich-Ungarns ein eigenes Kronland, also mit eigenem Landtag, eigener Landesregierung und mit Abgesandten im Wiener Reichsrat, aber noch immer unter Regentschaft der Österreichischen Krone.
Erst nach dem ersten Weltkrieg und der Auflösung von Österreich-Ungarn wurde 1918 die Tschechoslowakei gegründet und Mähren gehörte fortan zu diesem Nachfolgestaat des Königreichs Böhmen. Während dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) ging Mähren, oder kurz gesagt die gesamte Tschechoslowakei an das Deutsche Reich.
Nach 1945 gingen alle Territorien wieder an die Tschechoslowakei. In den darauffolgenden Jahren wurden fast alle damals Deutschsprachigen Mähren nach Deutschland und Österreich vertrieben.
Ende 1992 wurde die Tschechoslowakei einvernehmlich aufgeteilt und seither ist Mähren integraler Bestandteil der Tschechischen Republik
03. Mai 2025 | 16:45 Uhr